Gespräche Verbund - E.ON auf Eis gelegt

13. Februar 2002, 18:41
1 Posting

Tür für "österreichische Lösung" offen - Masterplan soll bis 30. April stehen

Wien - Bis 30. April soll das Arbeitsübereinkommen für eine österreichische Stromlösung auf dem Tisch liegen. Bis dahin wird die geplante Wasserkraftehe zwischen Verbund und dem deutschen Atomstromkonzern E.ON auf Eis gelegt. "Der Verbund soll mit dem Weiterführen der Verhandlungen bis 30. April warten", sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein nach dem Stromgipfel mit den Landeshauptleuten in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer.

Schweizer Mediator

In den kommenden Wochen soll ein Masterplan für eine österreichische Lösung in der E-Wirtschaft erarbeitet werden. Um gegenseitige Majorisierungsängste oder Zwistigkeiten auszuschalten, wird ein Mediator vom Managementzentrum in Sankt Gallen in der Schweiz die Verhandlungen moderieren. Zusammenkommen sollen Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wienenergie, Linz AG, Energie AG Oberösterreich, dazustoßen soll die burgenländische Bewag). Damit sind alle Länder ausgenommen Tirol und Vorarlberg an Bord, Kärnten habe sich wegen der Abwesenheit von Landeshauptmann Jörg Haider alles offen gelassen.

Die im Rahmen der nationalen Lösung geplante Zusammenlegung der Handelsaktivitäten der Energieunternehmen und des Großkundenvertriebs soll noch heuer realisiert werden, wünscht sich Bartenstein. Hier seien sich Allianz und Verbund schon relativ nahe gekommen.

Kein Totenschein für Verbund/E.ON-Deal

Ziel sei es, dass die heimischen Versorger in Erzeugung, Handel, Verteilung und Vertrieb näher zusammenrücken. Dies schließe aber nicht aus, dass der Verbund die Kooperation mit der E.ON zu einem Ende bringe, wiederholte der VP-Minister seine Position. Die Länder hätten in den Gesprächen die österreichische Lösung nicht mit einem Totenschein für die E.ON-Partnerschaft junktimiert, ebenso wie der Bund als Verbund-Eigentümervertreter nicht auf der Ehe beharrt habe. Sonst hätten die Gespräche nach 15 Minuten erfolglos geendet, sagte Pühringer.

Brancheninsider meinen, dass nach einem Zustandekommen einer österreichischen Lösung nicht mehr genügend Wasserkraft für E.ON übrig bleibt, der Deal für die Deutschen unattraktiv wird. Die rot-weiß-rote Lösung wäre wohl die beste Giftpille, ohne dass die Verhandlungen offiziell beendet werden müssen.

Bartenstein und Pühringer bezeichneten die Chancen für eine Österreich-Lösung nach dem Stromgipfel als viel besser als bei der vor zwei Jahren gescheiterten Energie Austria (Vollfusion von Verbund, Oberösterreichern und steirischer Energieholding Estag). Dieser Einschätzung widerspricht Wiens Vizebürgermeister Sepp Rieder: Man sei keinen Schritt zu einer Österreich-Lösung weiter gekommen. Er sehe immer weniger Konnex zwischen österreichischer Lösung und der Ehe von E.ON und Verbund. (rose, DER STANDARD, Printausgabe 14.2.2002)

Share if you care.