"Das kriegt man von privaten Firmen nicht"

12. Februar 2002, 21:49
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Verwaltungsakademie sorgt sich um Zukunft

Wien - "Bürgernähe: Kundenfreundliche Sprache". Und: "Finanzstrafverfahren". Solche und ähnliche Seminare stehen auf dem Unterrichtsplan der Verwaltungsakademie des Bundes im Schloss Laudon. Noch: Hat doch die FPÖ angekündigt, dass die Verwaltungsakademie geschlossen wird.

Herbert Voglmayr, interimistischer Leiter der vor bald 25 Jahren gegründeten Akademie, hat von den Plänen schon gehört. Kommentieren will er sie im STANDARD-Gespräch nicht, er erzählt lieber über die Arbeit: "Jeder, der in den Bundesdienst kommt, muss bei uns eine Grundausbildung machen. Sieben bis zehn Wochen für A-Beamte, für B- und C-Beamte kürzer." Einige Ressorts haben eigene Schulungen, etwa Finanz-und Sozialministerium. Der "wichtigste Teil" der Akademie sei "berufsbegleitende Fortbildung und Führungskräftefortbildung", in der "Bedeutung zurückgegangen" sei die EU-Ausbildung. Immerhin ist der EU-Beitritt Geschichte und die Ratspräsidentschaft absolviert. Wenn sich auch Schwerpunkte ändern: 7000 Teilnehmer lassen sich pro Jahr aus- oder weiterbilden.

Wie das nach einer Schließung sein könnte? - Dazu will Voglmayr nichts sagen. Andere Spitzenkräfte der Akademie schon, wenn auch anonym: "Wir bieten Kurse zugeschnitten auf die Bedürfnisse des öffentlichen Dienstes an. Das kriegt man von privaten Firmen nicht." Auch eine Ausgliederung sei problematisch: "Man müsste beachten, dass nicht nur marktgängige Seminare angeboten werden und man auf Beamtenspezifisches vergisst." Derzeit machen Nichtbeamte nicht mehr als fünf Prozent der Kursteilnehmer aus - bei Kursen wie "Powertalking".

Ungeachtet der Schließungspläne hat die Akademie das Programm für das kommende Jahr eingereicht. Und wartet, bis die zuständige Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer reagiert. Aus ihrem Büro sind keine Pläne für die Akademie zu erfahren. Nur so viel: Die Fixkosten für Schloss Laudon seien zu hoch. (eli/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 13.2.2002)

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