Einer von vielen

12. Februar 2002, 21:46
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Im Fall Peter Westenthaler ist alles viel profaner als vermutet - Ein Kommentar zum Schweigen von Samo Kobenter

Am Anfang war es ein schöner Schwanengesang - kein Ton war zu hören. So eindringlich war Peter Westenthaler verstummt, dass sich selbst schon seine Gegner um die Befindlichkeit des blauen Klubobmanns zu sorgen begannen. Böse Gerüchte schossen ins Kraut, die von seinem letzten Freundschaftsdienst für die Partei zu berichten wussten: Er inszeniere seinen Abgang in mehreren Akten, um von viel Schlimmerem abzulenken. Das alles blieb freilich so nebulos wie die wahren Beweggründe für Westenthalers dröhnendes Schweigen.

Jetzt lüften sich die Schleier allmählich und geben den Blick frei auf ein Bild, von dem Westenthaler vermutlich gehofft hat, nie darin aufzutauchen. Offensichtlich ist alles viel profaner als vermutet und geradezu prototypisch für eine Partei, in der seit Jahren nur das Gesetz des einfachen Parteimitgliedes gilt. Simples Faktum ist, dass Westenthaler gerade abgehalftert wird - und zwar ganz genau so, wie vor ihm mit vielen anderen umgesprungen wurde, die sich Jörg Haiders Unmut zugezogen hatten oder derer er einfach überdrüssig geworden war. Die Liste ist lang, und Westenthaler wird sie selbst am besten kennen - schließlich hat er den einen oder anderen Namen eigenhändig daraufgeschrieben. Dass es ihn, den treuesten der Paladine, einmal selbst treffen könnte, hat ihm nachdrücklich die Sprache verschlagen.

Natürlich hat Westenthaler aus freiheitlicher Sicht die "Neuordnung" des ORF verschaukelt; aber der einzige Fehler, den er sich vorwerfen kann, ist es, nicht mehrere seiner Parteifreunde, vor allem aber einen, nachvollziehbar daran beteiligt zu haben. Der Dank war ihm gewiss, die seidene Schnur rasch zugestellt. Ohne Mitleid heucheln zu wollen: Die Art und Weise, wie Westenthaler zurückgetreten wird, ist abstoßend. Aber einzigartig ist sein Fall nicht, und der letzte wird er auch nicht bleiben. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.2.2002)

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    montage: derstandard.at
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