Schwere Kost für harte Zeiten

12. Februar 2002, 21:47
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Schönberg und die Schrammeln

"We are trapped in the belly of this horrible machine, and the machine is bleeding to death." Das kanadische Musikergroßkollektiv Godspeed You Black Emperor! veröffentlichte Ende der 90er-Jahre mit seinem Albumdebüt F#A# (Infinity) eine der überzeugendsten Arbeiten im grundsätzlich zu Recht geschmähten Bereich Klassik trifft Rock. Man erinnere sich nur an Emerson, Lake & Palmer!

Bei Godspeed You Black Emperor! wird dank einer soliden Punk-Vergangenheit der Musiker und Musikerinnen allerdings weniger darauf geachtet, dass das Niveau im elektrischen Gitarrengejaule nicht zu kurz kommt, sondern eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung betrieben. Das bedeutet, dass ein Akkordwechsel von F nach A zwar relativ simpel ist. Andererseits klingt er genau dort bedrohlich, wo er bedrohlich klingen soll. Und bei Godspeed . . ., die ihre Liveshows mit düsteren Schwarz-Weiß-Filmen behübschen, die meistens davon handeln, dass Industrielandschaften nicht das Gelbe vom Ei sind, geht es sehr oft sehr, sehr bedrohlich zu. (schach)

So., 17. 2., Szene Wien,
1110 Wien, Hauffgasse 26,
(01) 749 33 41.
20.00

Schönberg und die Schrammeln

Wer Arnold Schönberg je mit eigener Stimme gehört hat, seinen feinen Wiener Dialekt, in dem das "l" fast Meidlinger Einschlag hatte (obwohl Schönberg in der Brigittenau zur Welt kam), der wird kaum bezweifeln, dass er auch den musikalischen Dialekt Wiens verstand. Man höre einfach nur seine Brettl-Lieder.

Es macht also durchaus Sinn, wenn das Klangforum Wien "gemütvolle Lieder und Tänze" (Pressetext) der Brüder Josef und Johann Schrammel mit Schönberg kombiniert (Auszüge aus Pierrot Lunaire, Auszüge aus der Serenade op. 24). Zum Abschluss gibt es Friedrich Cerhas "Eine Art Chansons (1985/1987)". Solisten: Walter Raffeiner, Tenor, und Graham Valentine, Stimme. Wer Valentine je in einer Marthaler-Produktion gesehen hat, wird ins Konzerthaus gleichsam fliegen! (ws)
18. 2., Konzerthaus,
Mozart-Saal, 3., Lothringer-
str. 20,(01) 24 20 02.
19.30

(DER STANDARD, Print, 13.02.2002)

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