Die Glanzzeiten sind vorbei

14. Februar 2002, 19:41
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Nüchterne Bestandsauf- nahme auf der exponet

Wien - Es gibt natürlich die unverbesserlichen Optimisten, wie Bill Gates, der gerade erst vergangene Woche in Wien versprach: "Das Beste kommt noch." Und dann gibt es die exponet, die IT-Messe (Informationstechnologie), die sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten heimischen Branchentreff hochgearbeitet hat: Betritt man die Ausstellungsräume im Wiener Austria Center, erinnert vieles an frühere Jahre. Die Themen scheinen noch immer die gleichen ("Konvergenz", "Voice over IP", Netzwerke, Sicherheit), der Andrang hält sich in Grenzen, und wie schon im Vorjahr dreht sich vieles um die Frage, wann es denn endlich wieder wirtschaftlich bergauf geht.

Wolfgang Hetlinger, Regionalchef des Speicherherstellers EMC, bestätigt den Eindruck: "In erster Linie geht es in der Branche derzeit um Konsolidierung." Waren früher bei Messen an allen Ecken und Enden "Revolutionen" angesagt und neue Geräte und Software in Hülle und Fülle zu sehen, wird jetzt abgearbeitet, was da ist. "Es wird natürlich auch jetzt investiert, aber in erster Linie, um aus dem Vorhandenen mehr zu machen", beschreibt Hetlinger die Stimmung.

Denn vorhanden ist aus den Boomjahren genug. Sigurd Harand, Technikchef der Mobilkom Austria, führt die weiterhin anhaltende Katerlaune auf 2000 zurück, ein Jahr der "unglaublichen Euphorie", dem die umso größere Ernüchterung von 2001 folgte. Mit dem - fast schon vergessenen - Y2K-Bug, dem Jahr-2000-Problem, wären eine "irrsinnige Hysterie" und enorme Investionen ebenso angeheizt worden worden wie mit dem Dotcom-Boom: "Man war stolz darauf, dreistellige Millionenbeträge zu investieren, damit man ein paar Bugs findet; dann begann die Dotcom-Blase zu platzen."

Zurückgeschraubte Erwartungen

Dass alles führte dazu, dass die Erwartungen zurückgeschraubt werden. "Realitätsnähe" ist das neue Credo der Branche. "2001 war das Jahr des Shakeout, 2002 geht es um Konsolidierung, der Shakeout ist vorbei", glaubt Franz Grohs, Geschäftsführer von T-Systems, dem früheren debis Systemhaus. In den Rechenzentren herrsche der "Status von 1999", heuer sollte "die Nachholphase einsetzen".

Ähnlich argumentiert Donatus Schmid, Geschäftsführer des Serverherstellers Sun Microsystems: "Die Talsohle ist erreicht", auch weil der Gebrauchtgerätemarkt, der aus den Pleiten technisch hochgerüsteter New-Economy-Unternehmen stammt, langsam "verdaut" sei. "Licht am Ende des Tunnels" gibt es noch aus einem anderen Grund: Wer lange im Dunkeln tappt, reagiert empfindlicher auf Helligkeit. Da börsennotierte Unternehmen jeweils am Vorjahr beurteilt werden und das Vorjahr (2000/2001) ganz schlimm war, ist jetzt fast alles bereits eine Verbesserung, räumt Schmid ein.

Ein Trend ist sichtbar: mehr Software, weniger Hardware. Microsoft profitierte als Softwarehersteller naturgemäß besonders stark von dieser Entwicklung und verzeichnete starke Umsatzzuwächse, während der PC-Markt schrumpfte. Traditionelle Hardwarehersteller wie EMC oder Sun versuchen darum, sich stärker mit Software und Services zu positionieren. (Helmut Spudich, Der Standard, Printausgabe, 13.02.02)

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