Müll fährt - wieder - Bahn

12. Februar 2002, 21:45
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ÖBB und Badnerbahn wollen Altlast per Schiene sanieren

Wien/Wiener Neudorf - Gut: Das mit den zwei Minuten hielt nicht. Der Mann im Lkw brauchte fast doppelt so lang, um den Container vom Eisenbahnwaggon auf seinen Laster zu hieven. An der Sache selbst änderte das aber nichts: Dienstagvormittag hatten die Wiener Lokalbahnen (WLB, vulgo "Badnerbahn) und die Entsorgungsfirma ELA (Entsorgungslogistik Austria GmbH, eine 50-prozentige ÖBB-Tochter) nach Wiener Neudorf gebeten, um vorzuzeigen, wie sie sich die Sanierung einer rund 200.000 m² großen Altlast im Süden Wiens vorstellen.

Mit der Bahn nämlich: Die Gleise der Badnerbahn ließen sich vom Bahnhof Wiener Neudorf problemlos um ein paar hundert Meter auf das Gelände zwischen B17 und A2 zu Füßen des Palmers-Headquarters verlängern. Ebendort könne man dann das kontaminierte Erdreich der letzten großen Brache im Speckgürtel rund um Wien auf Waggons verladen - und einer fachgerechten Entsorgung zuführen: Rund zehn Prozent der etwa 450.000 Tonnen abzutransportierenden Materials müssten als "gefährlicher Abfall" deklariert werden, erklärt Wiener Neudorfs Altlastensanierer Rainhard Temmel. "Da haben über Jahrzehnte alle Alles abgeladen. Wir wissen nicht, wo was herkommt."

Nach der Sanierung könnte der Grund zu einem Preis von rund 360 Euro pro Quadratmeter (5000 Schilling) verkauft werden: Eine Goldgrube - auch wenn die Sanierungskosten mit rund 50 Millionen Euro veranschlagt werden: 95 Prozent trägt der Allastensanierungsfonds.

"Bei gleichen Kosten müsste man aus Gründen des Umweltschutzes der Bahn den Vorzug geben", stellte WLB-Generaldirektor Josef Pelz nach der gelungenen Containerübergabe via "Abrollcontainersystem" zufrieden fest - betonte aber unisono mit ELA-Geschäftsführer Herbert Havlicek, dass man der Ausschreibung nicht vorgreifen wolle.

Sympathie und Maut

Allerdings ließ auch Wiener Neudorfs Bürgermeister Herbert Janschka keinen Zweifel an seiner Sympathie für den schienengebundenen Abtransport des Mülls: Bereits jetzt verzeichnet die Gemeinde über 200.000 Fahrzeugbewegungen pro Tag. Dass auf der B17 und der A2 ohnehin oft genug das Motto "rien ne va plus" gilt, sei ohnehin kein Geheimnis. Zugunsten der Rentabilität der Bahn, erklärte auch Gary Pippan ("Ich habe hier eine Doppelfunktion: ÖBB-Sprecher und Wiener Neudorfer VP-Gemeinderat.") werde bald schon ein weiteres Argument schlagend werden: "Wenn das Roadpricing mit 25 Cent pro Kilometer und LKW kommt, wird der Güterttransport per Bahn generell wieder interessanter." (rott/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2002)

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