Ein "Upgrading" mit deutlichen Schwächen

12. Februar 2002, 21:40
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Studie belegt Dynamik und Probleme der Wiener Wirtschaft

Wien - Zuckerbrot und Peitsche für die Wiener Wirtschaftspolitik. Eine neue Wifo-Studie, die Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) am Dienstag präsentierte, belegt zwar eine große Dynamik im Strukturwandel der Wiener Wirtschaft. Sie legt allerdings auch deutliche Schwächen offen.

"Sowohl das Bruttoregional- produkt Wiens als auch die Beschäftigung entwickelten sich im Zeitraum seit 1995 unterdurchschnittlich", heißt es etwa in der "Analyse der Wiener Wirtschaftsaktivitäten". Ursache sei "das Fehlen von wichtigen stabilen Wachstumsbranchen".

Geringe Exportorientierung

Weiters wird eine "Wachstumsschwäche der Wiener Sachgüterproduktion" geortet - schuld sei die "geringe Exportorientierung" in der Vergangenheit, wobei auch der EU-Beitritt zu keiner "Dynamisierung" geführt habe.

Rieder selbst konzentrierte sich vorerst auf die weiteren Ergebnisse der Untersuchung, in denen ein außerordentlich dynamischer Strukturwandel und ein "Upgrading" des Wiener Wirtschaftsstandortes beschrieben wird.

Dienstleister wachsen am meisten

Demnach ist etwa die "Gründungsdynamik" in Wien höher als im Rest Österreichs - rund ein Zehntel des Betriebsstandes wird jährlich durch Neugründungen geschaffen, während aber auch ein Zehntel wieder verloren geht. Mehr als die Hälfte der 55.000 Wiener Betriebe ist jünger als zehn Jahre.

Das größte Wachstum findet in der Dienstleistungsbranche statt - vor allem in den "softwareintensiven Branchen" wie Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Datenverarbeitungsdiensten, Softwarehäusern oder Forschungs- und Entwicklungsunternehmen. Wien habe sich so als überregionales Dienstleistungszentrum für die Ostregion etabliert.

Ostöffnung gut genutzt

Auch habe die Wiener Wirtschaft die Absatzchancen durch die Ostöffnung gut genutzt. Auch die angestrebte Funktion als Ost-West-Drehscheibe für multinationale Konzerne entwickelt sich: 2001 wurden 15 von 20 neuen Osteuropa-Hauptquartieren in Wien angesiedelt.

Die neue Dynamik bekommen aber auch die Beschäftigten zu spüren: Knapp die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse wird jährlich "umgeschlagen" - rund ein Drittel der Beschäftigten arbeitet bereits in Betrieben mit hoher Arbeitskräftefluktuation.

Rieder fordert nun eine Intensivierung der Qualifizierungsmaßnahmen und ein überregionales Konzept für die Arbeitsmarktverwaltung, da auch eine hohe Jobfluktuation zwischen Wien und dem Umland stattfindet. (frei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2002)

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