Arbeitsmarktexperte Helmut Mahringer im Gespräch

12. Februar 2002, 22:34
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Standard: Welche Rolle spielt die Konjunktur für die Entwicklung am Arbeitsmarkt?

Mahringer: Eine erhebliche. Von Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind neben der Bauwirtschaft derzeit vor allem die Sachgüterproduktion, die Nachrichtenübermittlung inklusive der Postdienste und der öffentliche Sektor. All diese Bereiche leiden unter dem Konjunktureinbruch.

Standard: Genügt es, auf den vorausgesagten Konjunkturaufschwung zu warten und alles wird gut?

Mahringer: So einfach ist das leider nicht. Viele Unternehmen nützen Zeiten der Krise für Restrukturierungen und bauen ihre Organisationsabläufe radikal um. Wenn die Konjunktur dann erneut anspringt, werden meist weniger Leute wieder eingestellt, als vorher entlassen worden sind.

Standard: Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?

Mahringer: Ein Teil der jetzt Arbeitslosen wird im angestammten Bereich wieder Beschäftigung finden. Ein nicht unbeträchtlicher Teil wird jedoch arbeitslos bleiben, wenn die Leute nicht rechtzeitig für neue Aufgaben in der Arbeitswelt umgeschult werden.

Standard: Was sind die Wachstumsbranchen der Zukunft?

Mahringer: Dazu gehört sicherlich die Datenverarbeitung. Auch die Unternehmensberatung wird expandieren, ebenso die diversen Gesundheits-, Sozial- und Pflegedienste. Ein Bauarbeiter, der seinen Job verloren hat, wird sich aber ziemlich schwer tun bei der Umstellung. Deshalb wäre es sinnvoll, durch Zusatzschulungen die Einsatzmöglichkeit des Bauarbeiters zu verbreitern.

Standard: Wie könnte man das machen?

Mahringer: Man sollte den Leuten echte Anreize geben, damit sie sich weiterbilden.

Wirtschaftsforschungsinstituts, Helmut Mahringer, im Gespräch mit dem Standard. "Wir müssen uns anstrengen."
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