Ortstafelstreit auf Schottisch

12. Februar 2002, 17:31
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Die restriktive Haltung der Edinburgher Regierung ärgert die Hochländer - Nun drohen sie mit dem Gang nach Brüssel

Edinburgh/Dublin - Lewis MacDonald, der Staatssekretär für das Transportwesen in der schottischen Regionalregierung, hat sich den Zorn der selbstbewussten Hochländer zugezogen. Der Minister hält nämlich zweisprachige Ortstafeln für verwirrend und möglicherweise gefährlich.

Regierung will um Erlaubnis gefragt werden

"Ein dummes, unvernünftiges Argument", meint eine Sprecherin des Highland Council, der zuständigen Kommunalbehörde. Donald Martin von der Sprachförderungsbehörde Comunn na Gàidhlig stimmt zu. Er sitzt in Stornoway auf der Hebriden- Insel Lewis; dort sind zweisprachige Ortstafeln die Regel. Er nennt den Widerstand der schottischen Regierung gegen zweisprachige Ortstafeln in den Highlands "Unsinn" und verweist auf Wales, den irischen Westen und zahlreiche andere Gegenden, wo diese Berücksichtigung der Minderheit selbstverständlich ist.

Die Beamtin bei der Highland-Behörde erklärt, dass sie seit April letzten Jahres nicht mehr für den Unterhalt der Durchgangsstraßen zuständig seien, da der Auftrag an eine Privatfirma vergeben wurde. Und jetzt will die schottische Regierung bei jedem Schild um Erlaubnis gefragt werden.

Tatsächlich gibt es nur auf einer einzigen schottischen Hauptstraße (außerhalb der Inseln) zweisprachige Beschriftungen: auf dem Zubringer zur Hebriden-Fähre nach Skye. Anders bei den Nebenstraßen: Sobald eine Tafel ersetzt werden muss, erkundigt sich die Behörde nach den lokalen Wünschen. Die Volkszählung 1991 (die Zahlen von 2001 liegen noch nicht vor) ergab in den Highlands eine gälischsprechende Minderheit von 7,5 Prozent.

Hochland-Gemeinderat will initiativ werden

In Finnland würde dies längst zweisprachige Tafeln rechtfertigen, erläutert Markus Warasin, Generalsekretär des Europäischen Büros für Minderheitssprachen in Brüssel, einer EU-Institution. Er hat sich schon im Kärntner Ortstafelstreit zugunsten der Slowenen geäußert. Seine Sympathien liegen auch im Hochland-Streit bei der Minderheit.

Der Hochland-Gemeinderat Michael Foxley hat schon gedroht, sich an Warasins Büro zu wenden, um die schottische Regierung zum Einlenken zu zwingen. Zunächst will man aber noch zuwarten. Minister MacDonald will Konsultationen führen, vielleicht sogar eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. "Dabei kennen wir doch die Antwort schon", meint die Sprecherin der Behörde.

trotzig, und verweist auf die Arroganz von Beamten in Edinburgh als Erklärung für deren Hartleibigkeit. Offenbar hat sich seit der Einführung der schottischen Selbstverwaltung vor drei Jahren nur wenig an der traditionellen Geringschätzung für die andersartigen Hochländer geändert. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.2.2002)

STANDARD- Korrespondent Martin Alioth
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