Costa-Gavras beklagt zunehmende Gleichgültigkeit der Menschen

14. Februar 2002, 14:24
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Der aus Griechenland stammende Regisseur erhält Berlinale-Kamera für seine Verdienste um den politisch engagierten Film

Berlin (APA/dpa) - Constantin Costa-Gavras, der aus Griechenland stammende Regisseur des Berlinale-Films "Amen", hat die Gleichgültigkeit der Menschen beklagt. "Wir wissen alles über das Elend in der Welt, aber wir tun nichts, um Lösungen für die Probleme zu finden", sagte Costa-Gavras. "Heute herrscht eine große Gleichgültigkeit gegenüber dem, was in der Welt passiert." Tatsächlich könnten Einzelpersonen nur sehr wenig ausrichten. "Aber wir können handeln, indem wir auf unsere Herrschenden einwirken und sie bewegen, etwas zu tun."

"Amen": Film über SS-Mann Kurt Gerstein

Für seine Verdienste um den politisch engagierten Film erhält der 69-jährige Costa-Gavras eine Berlinale-Kamera. Dieter Kosslick, der Festivalleiter überreichte die Auszeichnung am Mittwoch im Rahmen der Aufführung von Costa-Gavras neuem Film "Amen". Der englischsprachige Film mit Ulrich Tukur und Ulrich Mühe läuft im offiziellen Wettbewerbsprogramm des noch bis zum Sonntag dauernden Internationalen Filmfestivals. Tukur spielt im Film, nach dem Drama von Rolf Hochhuth, den SS-Mann Kurt Gerstein, der vergeblich versucht, den Vatikan zu einem Protest gegen die Ermordung der Juden zu bewegen.

Gegenwart durch die Vergangenheit verstehen

"Es ist nie zu spät, so einen Film zu zeigen. Wir versuchen immer, die Gegenwart durch die Vergangenheit zu verstehen", sagte Costa- Gavras. "Das Interessanteste an der Geschichte war für mich die Gleichgültigkeit der Menschen. Jeder hat gewusst, was passierte. Aber jeder hat andere Gründe und Rechtfertigungen gefunden, nicht zu handeln", meinte der in Frankreich lebende Regisseur. "Während der Nazi-Zeit war die Kirche die einzige organisierte Kraft. Wenn die Kirche etwas getan hätte, wären die Dinge vielleicht anders verlaufen", sagte Costa-Gavras.

Kosslick: "Stimme gegen Unterdrückung und Intoleranz"

Kosslick betonte im Vorfeld der diesjährigen Verleihung der Berlinale-Kamera: "Mit Constantin Costa-Gavras ehren wir einen der profiliertesten politischen Filmemacher in der Geschichte des Kinos." Er habe sich immer mit kontroversen politischen Themen auseinander gesetzt und seine Filme als eine Stimme gegen Unterdrückung und Intoleranz eingesetzt.

Oscar-Preisträger Costa-Gavras ("Z", 1969) wurde mehrfach auf der Berlinale ausgezeichnet - so für "Conseil de Famille" (Panorama 1987), "Petite Apocalypse" (Wettbewerb 1993) und "Missing" (1996). (APA/dpa)

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