Breitbandinternet und E-Commerce wachsen in Europa langsam

12. Februar 2002, 17:19
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Benchmarking Bericht der EU-Kommission: Phase der Sättigung setzt ein

Wien/Brüssel - In europäischen Privathaushalten, Schulen und Unternehmen finden sich immer mehr Internetzugänge, das Wachstum hat sich in der letzten Zeit jedoch abgeschwächt. Breitbandanschlüsse setzen sich - ebenso wie der E-Commerce - noch immer nur langsam durch, da sie im Schnitt zu teuer und auf die zwei Zugangssysteme ADSL und Fernsehkabel beschränkt sind. Zu diesem Schluss kommt die EU-Kommission in ihrem "eEurope Benchmarking-Bericht", der heute, Dienstag, von EU-Kommissar Erkki Liikanen vorgestellt wurde.

Im März 2000 hatten 18 Prozent der europäischen Haushalte einen Internetanschluss, im Oktober 2000 bereits 28 Prozent, im Juni 2001 36 Prozent und im Dezember 2001 bereits 38 Prozent, geht aus dem Bericht hervor. Es gebe jedoch beträchtliche Unterschiede bei der Internetverbreitung, die von 60 Prozent (Skandinavien, Niederlande) bis zu lediglich 10 Prozent (Griechenland) reichen, so dass ein Nord-Süd-Gefälle entstehe.

Der Grund für die jüngste Wachstumsabschwächung könnte darin liegen, dass Länder mit hoher Internetverbreitung eine Sättigung erreichten. Bei Breitbandzugängen liege die EU mit 6 Prozent weit hinter den weltweit führenden Ländern wie Korea, Kanada und USA zurück. Die Möglichkeit der Steigerung der Breitbandzugänge werde einer der Hauptpunkte auf dem informellen Treffen der für Telekommunikation zuständigen Minister in Vitoria und auf der Tagung des Europäischen Rates in Barcelona im März 2002 sein, betonte Liikanen.

Nur 20 Prozent der Firmen nutzen E-Commerce

Nur 20 Prozent der europäischen Unternehmen nutzen das Internet für Einkauf und Vertrieb, heißt es weiter. Dies seien vor allem Großunternehmen.

Mit der Ausbreitung der rund um die Uhr funktionierenden Breitbandnetze würden entsprechende Sicherheitsvorkehrungen unverzichtbar, zumal die Anzahl der für den elektronischen Geschäftsverkehr einsetzten gesicherten Server pro Kopf immer noch bei nur 50 Prozent des USA-Durchschnitts liegt.

Großes Interesse gibt es in Europa laut eEurope Benchmarking-Bericht an elektronischen Behördendiensten (eGovernment), die von beinahe der Hälfte der Internetnutzer in der EU in Anspruch genommen werden. Allerdings hätten weniger als 10 Prozent ihr Anliegen wirklich interaktiv bei den Behörden elektronisch erledigt, denn meist könnten nur Unterlagen abgerufen werden. Um das Ziel von eEurope - eine Online-Bereitstellung von 100 Prozent der grundlegenden Dienste bis Ende 2002 - zu erreichen, müssten die Mitgliedstaaten noch bedeutende Anstrengungen unternehmen. Bisher reiche der Durchschnitt von fast 70 Prozent in Irland bis unter 20 Prozent in Luxemburg.

Die EU fordert im Bericht ein abgestimmtes Vorgehen zur Beseitigung der großen Unterschiede bei der Internetverbreitung und des digitalen Gefälles, die den sozialen Zusammenhalt Europas im neuen Jahrhundert bedrohen, dringende Maßnahmen gegen die Hemmnisse für den elektronischen Geschäftsverkehr, die Einbeziehung des Internet in die Lernprozesse, die Einrichtung des Sonderstabs für Computer- und Netzsicherheit, um die Sicherheitsprobleme und die Kriminalität im Internet zu bewältigen, den Ausbau der elektronischen Behördendienste sowie die vollständige Einbeziehung der Beitrittsländer in den eEurope-Prozess. (APA)

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