Österreicher Virgil Widrich für den Oscar nominiert

13. Februar 2002, 12:59
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Der Regisseur "ist sprachlos" und "freut sich riesig"

Wien - Am Dienstag wurden die Nominierungen für die 74. Oscar-Verleihung bekannt gegeben. In der Kategorie "Short Film (Live Action)" wurde der Österreicher Virgil Widrich mit seinem Film "Copy Shop" nominiert. Der Film wurde schon mehrfach international ausgezeichnet.

Österreichs Filmpreis-Rekord

Virgil Widrichs Kurzfilm ist in der österreichischen Filmszene der Rekordhalter an Auszeichnungen. Zu rund 90 Festivals wurde der Streifen bisher bereits eingeladen, so Widrich, insgesamt 23 Mal wurde er bisher ausgezeichnet. "Ich bin sprachlos, aber ich freue mich riesig, dass damit der Erfolgskurs des österreichischen Films weitergeht", so die erste Reaktion des 34-jährigen gebürtigen Salzburgers. Auch Widrichs erster Kinofilm "Heller als der Mond" (2000) gewann mehrere Preise.

Ein Mann vervielfältigt sich

"Copy Shop" (2001) handelt von einem Mann (Johannes Silberschneider), der in einem Copyshop arbeitet und sich so lange vervielfältigt, bis die ganze Welt nur noch aus ihm besteht. Formal besteht der zwölfminütige Schwarz-Weiß-Streifen aus 18.000 fotokopierten Digitalfilmkadern, die am Tricktisch animiert und in 35 Millimeter abgefilmt wurden.

Science-Fiction-Kurzfilm "Monster in Salzburg"

Virgil Widrich, geboren am 16. Mai 1967 in Salzburg, begann bereits als 12-Jähriger mit der Herstellung von Super-8-Filmen. In seinem Godzilla-beeinflussten Science-Fiction-Kurzfilm "Monster in Salzburg" (1982) spielte Libgart Schwarz, Star der Berliner Schaubühne, mit. In "Vom Geist der Zeit" (1983-85), einem abendfüllenden Genremix aus Action, Horror und Science Fiction, 1985 bei den Welser Filmtagen aufgeführt, übernahm Widrichs Salzburger Nachbar Peter Handke eine Gastrolle.

"Classic Films Filmverleih"

Die Wiener Filmakademie verließ Widrich 1986 bereits nach mehreren Wochen und gründete 1987 mit zwei Partnern den bis 1991 bestehenden "Classic Films Filmverleih", der sich um künstlerisch hochwertige Filme bemühte und auch eine Reihe von Retrospektiven organisierte.

Zeit (t)- und Raumachse (x) im Film vertauschen

Gemeinsam mit Martin Reinhart entwickelte Widrich für den Kurzfilm "tx-transform" (1998) eine neue Filmtechnik, die die Zeit (t)- und Raumachse (x) im Film vertauscht. Neben dem Verfassen von Drehbüchern (für die Kurzfilme "Vier Uhr im Cafe" und "Das Kind und der Zauberer") arbeitete er unter anderem auch als Übersetzer von Filmtiteln und Vortragender für Drehbuchtechnik und Filmsoftware. 1999 gründete Widrich die "Widrich Film- und Multimediaproduktionen G.m.b.H.".

"Heller als der Mond"

Einem breiteren Publikum bekannt wurde Widrich mit seinem Film "Heller als der Mond" (2000), mit unter anderem Horst und Christopher Buchholz und Lars Rudolph in den Hauptrollen. Der 1997 mit dem Drehbuchpreis der Stadt Salzburg ausgezeichnete Streifen wurde beim Filmfestival Rotterdam uraufgeführt, gewann zwei Preise beim Filmfestival Angers und wurde zu 25 weiteren Festivals eingeladen. (APA)

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