Euro ließ Handelsumsätze im Jänner "kalt"

13. Februar 2002, 09:59
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2001 reales Minus - Einzelhandelsumsatz real minus 0,6 Prozent

Wien - Die befürchtete Konsumzurückhaltung als Reaktion auf die Euro-Bargeldumstellung ist ausgeblieben. Nach ersten vorläufigen Zahlen sei es zu "keinen signifikanten Veränderungen zum Vorjahr gekommen", sagte der Handelsexperte im Institut für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH), Peter Votihofer, bei der Präsentation der Handels-Jahresbilanz 2001 am Dienstag in Wien. 2001 hatte der Jänner ein nominelles Umsatzplus von 5 Prozent (real: 3 Prozent) gebracht und damit maßgeblich zum guten Ergebnis des ersten Quartals beigetragen. In Deutschland klagte der Einzelhandel im Jänner dagegen über Umsatzeinbrüche bis zu 10 Prozent.

Im Gesamtjahr 2001 hat der österreichische Einzelhandel real um 0,6 Prozent weniger umgesetzt als im Jahr davor. Nominell lag der Umsatz mit 37,5 Mrd. Euro (516,26 Mrd. S) um 1,7 Prozent über dem Wert des Jahres 2000. Ausschlaggebend für die bescheidene Jahresbilanz waren vor allem das schwache zweite und dritte Quartal, die real 1,5 Prozent bzw. 1,3 Prozent Minus brachten. Einen kleinen Aufschwung bescherte dagegen das gute Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal.

Sportartikelhandel schneidet gut ab

Am besten schnitten 2001 der Lederwaren- sowie der Sportartikelhandel mit einem nominellen Umsatzplus von 5,1 (real: 3,3) Prozent bzw. 4,6 (real: 5,7) Prozent ab. Auf Platz 3 findet sich der Schuhhandel mit einem nominellen Plus von 3,9 (1,2) Prozent. Kurios die Entwicklung im Elektrohandel: Nominell haben sie zwar nur um 1 Prozent mehr umgesetzt, wegen des starken Wettbewerbs bedeutet das aber ein reales - um den Preiseffekt der Branche bereinigtes - Plus von 5,9 Prozent.

Besonders unerfreulich war die Entwicklung im Textilhandel und in den Baumärkten. Die Modehändler mussten sowohl nominell (-0,4) als auch real (-1,9) ein Minus hinnehmen. Bei den Baumärkten war der reale Umsatzrückgang mit 4 Prozent besonders drastisch, nominell sind die Umsätze um 0,1 Prozent zurück gegangen.

Trend in Richtung große oder Marken-Geschäfte

Der Trend beim Shoppen ging auch 2001 eindeutig in Richtung große oder Marken-Geschäfte. "Die Polarisierung bei den Standorten geht weiter", so Voithofer. Die Kundenfrequenz sei insgesamt um 1 Prozent zurückgegangen, allerdings vor allem bei den kleinen Geschäften, während sie in Einkaufszentren und -Straßen gleich blieb. Auch bei der Umsatzentwicklung zeigt sich, dass Unternehmen mit 5 bis 10 Mill. S wengiger umsetzten, während die größeren ein Plus von 2 bis 3 Prozent erzielten.

Regional zeigte sich, dass die Einkaufslust im Vorjahr in den westlichen Bundesländern mit Plus 2,4 (real: 0,1) Prozent noch am ausgeprägtesten war. "Der Westen ist das einzige Gebiet, wo es noch ein reales Wachstum gab", sagte Handelsobmann Erich Lemler. Im Süden lagen die Umsätze nominell um 1,8 Prozent und in Ostösterreich um 1,1 Prozent höher, bzw. real um 0,7 Prozent und 1,2 Prozent niedriger.

Für das laufende Jahr sind die Aussichten ebenfalls gedämpft. In der zweiten Jahreshälfte soll es eine "zögerliche Verbesserung" geben, mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung rechnet Handelsexperte Voithofer erst für 2003. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sollen die privaten Konsumausgaben heuer um 1,6 Prozent steigen, allerdings nur, wenn die Sparquote weiter sinkt. Die Händler selbst zeigten sich ebenfalls skeptisch: Mehr als ein Drittel der Betriebe wolle die Bestellungen heuer reduzieren und jammere über zu hohe Lagerbestände, so Voithofer.(APA)

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