Tumpel fordert erneut Auflösung von AMS-Rücklagen

12. Februar 2002, 12:47
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Bartenstein: Aus derzeitiger Sicht keine Notwendigkeit

Wien - Einen Schlagabtausch lieferten sich Wiens Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) am Dienstag zum Thema Auflösung von AMS-Rücklagen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Tumpel nutzte die Präsentation der Strukturreform des Arbeitsmarktservice (AMS) Wien, um erneut das seiner Ansicht nach verfehlte Vorgehen der Regierung gegen die aktuelle Konjunktursituation anzuprangern. Er forderte die Auflösung von AMS-Reserven und wies auf die 1.340 in Wien Lehrstellen suchenden Jugendlichen hin. Bartenstein dazu: Er halte eine solche Maßnahme für derzeit "nicht geboten".

Der Minister betonte, es sei immer die Frage, wann es nötig sei, Reserven anzutasten. Für ihn sei wichtig, die geplanten Programme finanzieren zu können, und das sei derzeit der Fall. In diesem Punkt pflichtete Claudia Finster, die Landesgeschäftsführerin des AMS Wien, dem Minister bei. Man habe ab dem Sommer versucht, die Budgetmittel auf den Betroffenenkreis der 19- bis 25-Jährigen zu fokussieren. Damit sei es möglich geworden, die nötigen Maßnahmen zu finanzieren.

Vorwürfe aus Wien

Vorwürfe in Sachen AMS-Rücklagen musste sich der Arbeitsminister bereits vergangene Woche vom Wiener Vizebürgermeister und Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder (S) gefallen lassen. Nachdem Bartenstein das Angebot Wiens ausgeschlagen hatte, die Mittel zur Ausbildung von 19- bis 25-jährigen Jugendlichen in der Bundeshauptstadt gemeinsam von derzeit 6,6 Mill. Euro (90,8 Mill. S) auf 13,1 Mill. Euro (180 Mill. S) annähernd zu verdoppeln, erklärte Rieder den Minister für "rücktrittsreif".

Auffassungsunterschiede zeigten sich am Dienstag auch bezüglich der Zahl von Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen. Während Walter Nettig, der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, von 431 Betroffenen ausging, erläuterte Tumpel seine Zahl von 1.340 folgendermaßen: Zu den 431 "herkömmlich Suchenden" kämen 498 Jugendliche, die derzeit kurzfristige Schulungen durchlaufen würden sowie 410, die ihren Lehrplatz verloren und nun arbeitslos gemeldet seien, aber ebenfalls einen Ausbildungsplatz suchen würden.

Für Jugendliche steht auch nach der AMS-Reform weiter eine eigene AMS-Stelle zur Verfügung. Ansonsten wird künftig nach dem One-Stop-Shop-Prinzip vorgegangen. An den insgesamt elf Standorten werden alle Dienstleistungen unter einem Dach angeboten und nicht wie bisher nach Branchen unterschieden. Damit rückt die zuständige AMS-Stelle einerseits näher an den Arbeitssuchenden, andererseits werden Firmen, in denen etwa Arbeiter und Angestellte beschäftigt sind, ebenfalls von einem Standort betreut. Auch Förderungen und die Aufnahme von ausländischen Arbeitskräften werden an dieser einen Stelle abgewickelt.(APA) a

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