Doppelte Preisauszeichnung: Handel lehnt gesetzliche Verlängerung ab

12. Februar 2002, 12:51
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Pensionistenverband für Verlängerung

Wien - Der österreichische Handel ist gegen eine Verlängerung der gesetzlichen Frist für die doppelte Preisauszeichnung über den 28. Februar hinaus. "Es gibt keine Veranlassung für rechtliche Schritte", sagte Erich Lemler, Obmann der Sektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in einem Pressegespräch in Wien. Unternehmen die wollen, könnten dies gerne freiwillig tun, generell sollte dies aber nicht festgeschrieben werden. Die Arbeiterkammer hatte vergangene Woche eine Verlängerung der gesetzliche Pflicht zur doppelten Währungsangabe gefordert.

Die freiwillige Verlängerung der doppelten Preisangaben in Euro und Schilling - wie dies etwa Lutz und Billa gestern angekündigt haben - sei "vielleicht der beste Weg". Damit könnten die Händler auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen. Was eine Verlängerung der doppelten Preisauszeichnung kosten würde, lasse sich nicht beziffern. Probleme könnte es vor allem geben, wenn bereits neue Prospekte oder Kataloge entsprechend der geltenden Regelung gedruckt wurde.

Laut Euro-Währungangabengesetz (EWAG) gilt die Pflicht zur doppelten Preisauszeichhnung seit 1. Oktober 2001 und "solange der Schilling gesetzliches Zahlungsmittel ist". Die Frist, bis zu der mit Schilling bezahlt werden kann, wurde in Österreich mit 28. Februar festgesetzt. Die Regierung kann diese Pflicht zur doppelten Preisangabe durch Verordnung aber bis längstens 31. Dezember 2002 verlänger, sofern damit der geordnete Übergang auf und die Gewöhnung an die neue Währung unterstützt werde, bzw. Wettbewerb und Vergleichbarkeit der Preise gefördert wird.

Pensionistenverband für Verlängerung

Der SP-nahe Pensionistenverband Österreich spricht sich für die Fristverlängerung der doppelten Preisauszeichnung als "vertrauens- und umstellungsfördernde Maßnahme" aus. Der Vertreter der älteren Generation in der Euro-Preiskommission, Fritz Koppe, werde am Donnerstag die Forderung des Pensionistenverbandes einbringen, heißt es in einer Aussendung des Pensionistenverbandes von Dienstag.

"Häufig versteckte Preiserhöhungen"

"Die neuen psychologisch gestalteten Euro-Preise täuschen günstige Einkaufsmöglichkeiten vor, bedeuten aber in Wahrheit häufig versteckte, mitunter dramatische Preiserhöhungen", führt Koppe aus. Nur die doppelte Preisauszeichnung ermögliche ohne lange Rechenoperationen eine Beurteilung der Preiswürdigkeit. Durch die Verlängerung der Pflicht zur doppelten Preisauszeichnung möchte Koppe auch der andernfalls drohenden Euro-Teuerungswelle im März entgegen wirken.

Einer Umfrage der Arbeiterkammer zu Folge haben noch viele Konsumenten Probleme im Umgang mit dem Euro. Die Hälfte der Österreicher sei demnach noch nicht "Euro-fit" und wolle, dass die doppelte Preisangabe länger aufrecht bleibt, so die AK-Konsumentenschützer. Schwierigkeiten gebe es speziell bei kleineren Beträgen. Für 75 Prozent der Befragten sei die Schillingangabe noch eine sehr wichtige Hilfe. 80 Prozent rechneten nach wie vor jeden Betrag in Schilling um. Sattelfest in Sachen Euro sehe sich nur jeder Fünfte.(APA)

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