Viagra ist in aller Munde

14. Februar 2002, 20:54
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Herzinfarktrisiko steigt doch nicht - dafür wird das Wachstum von Nervenzellen angeregt

Chicago - Herzkranke Männer haben laut einer neuen Studie bei Einnahme der Potenzpille Viagra doch kein erhöhtes Infarktrisiko. Im Gegensatz zu vorangegangenen Untersuchungen kamen Wissenschafter der Mayo Klinik in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota zu dem Ergebnis, dass die Einnahme der blauen Pillen die Versorgung des Herzens und die Herzfunktion nicht verändere.

Die Forscher unterzogen 105 Männer, die an Impotenz und Erkrankungen der Herzkranzgefäße litten, einem Stresstest. Ihre Belastbarkeit sei bei Einnahme von Viagra oder eines wirkungslosen Placebos gleich gewesen, betonen die Autoren der im Fachblatt "Journal of the American Medical Association" veröffentlichten Studie.

Weitere Wirkungsweise

Dafür könnte Viagra eine andere, erfreulichere "Nebenwirkung" haben: Wie Michael Chopp auf der derzeit in Texas stattfindenden "International Stroke Conference" berichtet, regt das Medikament das Wachstum von Nervenzellen an und verbessert die Gehirnfunktion. Die Forscher gehen davon aus, dass Viagra jene Veränderungen im Gehirn fördert, die zur Wiederherstellung der Funktion beitragen. Die beobachtete Wirkung beruht vermutlich auf der Hemmung des Botenstoffes cGMP (zyklisches Guanosin-Monophosphat) im Gehirn.

Im Tierversuch lösten die Forscher um Chopp bei Ratten einen experimentellen Schlaganfall aus und behandelten die Tiere sechs Tage lang mit Sildenafil, dem Viagra-Wirkstoff. Nach 28 Tagen zeigte sich, dass die Zahl neuer Gehirnzellen bei den mit dem Potenzmittel behandelten Ratten signifikant zunahm und die Gehirnschäden linderten. Die Fläche neuer Zellen betrug bei Ratten, die zwei Milligramm Viagra erhielten 237,27 mm2. Bei jenen, denen fünf Milligramm Viagra verabreicht wurden, betrug die Fläche 541,02 mm2. Bei unbehandelten Ratten lag die Zellfläche bei lediglich 177 mm2.

Mit verschiedenen Tests untersuchten die Forscher des Henry Ford Hospitals in Detroit die sensorischen und motorischen Fähigkeiten der Tiere. Viagra-Ratten schnitten im Durchschnitt besser ab. Selbst wenn die Behandlung erst Tage nach dem Schlaganfall gestartet wurde, bildeten sich neue Nervenzellen und die Gehirnfunktion verbesserte sich. Dies sowohl bei jungen als auch älteren Ratten. Chopp hofft mit Viagra eine medikamentöse Therapie zur Verbesserung der Wiederherstellung von verletztem Nervengewebe gefunden zu haben. (pte)

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