Deutsch für den Karriereschub

11. Februar 2002, 20:44
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Deutschunterricht für Polen, Ungarn und Tschechen - "Österreichportal" im Internet unterstützt Unterricht für Erwachsene

Wien/Warschau/Bratislava - Unterricht per Internet und Zeitung - auf diese beiden Unterrichtsmittel vertraut man bei den Österreich-Instituten im Ausland, um Polen, Tschechen, Ungarn und Slowaken Deutsch beizubringen.

"Homepages, die etwas für den Unterricht hergeben" sind daher auf dem neu geschaffenen "Österreichportal" verzeichnet. Damit verweist Elisabeth Stelzhammer in der Wiener Zentrale auf Unterrichtsmaterial, welches von den Lektoren der Auslandsinstitute ab sofort abgerufen werden kann. Geschnürt wurden "Landeskundenpakete": Informatives zur Geschichte von Schönbrunn, Wirtschaftsdaten liest man da oder "Kochen und Backen" ist aufbereitet - und zwar für zwei Zielgruppen. Einmal aus Lehrersicht, damit sie das Material im Unterricht verwenden können. Zum anderen für Schüler, die ihre eben erworbenen Sprachkenntnisse prüfen und vertiefen wollen.

Um Österreich authentisch bei den Kursbesuchern der Auslandsinstitute darstellen zu können, greifen die Lektoren zudem auf den "Spiegel - Die Zeitung für den Deutschunterricht" zurück. Darin werden vierteljährlich Artikel aus österreichischen Tages-und Wochenmedien gesammelt, um den "Unterricht um eine aktuelle, differenzierte Facette zu erweitern", vertraut man auf die Darstellungskompetenz heimischer Journalisten und Journalistinnen.

Karrieredenken

Seit 1997 bieten fünf Östereich-Institute in Osteuropa Deutschkurse für Erwachsene. Zudem gibt es Spezialkurse für Wirtschaftsinteressierte, Kinder und Jugendliche. Die Institute sind aus den ehemaligen Kulturinstituten in den Städten ausgegliedert worden und seit 1999 rechtlich selbstständig.

Wer besucht überhaupt Deutschkurse im Ausland? Jene Mittelstandsbürger in Osteuropa, die Karriere machen wollen, nennt Thomas Holzmann, Leiter des Warschau-Büros den Hauptgrund. "Rund zwei Drittel der Teilnehmer kommen deswegen zu uns." In Brünn unterrichtet Büroleiterin Astrid Pucharksi immer häufiger Studenten, die sich für ein Auslandssemester vorbereiten.

Die zunehmende Bereitschaft, auch unter dem fortschreitenden Prozess der EU-Osterweiterung Deutsch zu lernen, lässt sich auch an den Besucherzahlen ablesen: Rund 1600 polnische Kursteilnehmer pauken pro Semester Grammatik, Konversation und Wirtschaftsdeutsch - eine Vervierfachung der Besucherzahlen in den letzten Jahren. Jährlich buchen rund 9000 Personen einen Kurs bei den Österreichern.

Neben Warschau und Brünn gibt es drei weitere von Österreich finanzierte Institute, die im Sinne der Erwachsenenbildung Deutschkurse und den Erwerb des Österreichischen Sprachdiploms anbieten: in Bratislava, Budapest und Krakau. Die Häufung der Standorte in Osteuropa "hat sich so ergeben", berichtet Elisabeth Stelzhammer, ist aber doch nicht ganz zufällig: Die Beziehungen Deutschlands und Österreichs mit osteuropäischen Ländern "sind ein starker Wirtschaftsfaktor". Zudem sei durch historische Verbindungen ein starkes Interesse begründbar. Thomas Holzmann glaubt sogar, dass "in Polen Deutsch wieder beliebter als Russisch" sei. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 2. 2002)

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