Neuer Kreationisten-Vorstoß in den USA

11. Februar 2002, 20:24
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Der Glaube an den Schöpfer soll in Ohio in die Schulbücher

New York/San Diego - In Ohio unternehmen Gegner der Evolutionstheorie laut New York Times einen neuen Vorstoß, den Schöpfungsglauben in den Lehrplänen für Naturwissenschaften zu verankern: "Intelligentes Design" heißt die jüngste Variante des "Kreationismus". Sie lässt sich auch nicht von dem Befund beeindrucken, dass in der Evolution die Mutation eines Gens einen ganzen Körperbauplan ändern kann.

In seiner gröberen Form wendet sich der Kreationismus nicht nur gegen Darwin, sondern gegen alles, was sich nicht wörtlich mit der Schöpfungsgeschichte deckt, vom Urknall bis zu Fossilien aus vorbiblischen Zeiten. Vor zwei Jahren konnte diese Fraktion ihr Weltbild in Kansas in die Schulbücher reklamieren - in US-Bundesstaaten entscheiden darüber gewählte Gremien. Letztes Jahr wurde neu gewählt, der Kreationismus verschwand wieder. Der Widerstand war zu groß geworden, nicht nur Forscher, auch Firmen hatten mit Abwanderung gedroht.

"Intelligentes Design"

Nun geht es in Ohio um die mildere Variante. Die Hypothese vom "intelligenten Design" bestreitet nicht, dass das Universum Milliarden Jahre alt ist und dass Organismen sich langsam verändern. Aber die Vielfalt der Lebensformen könne so nicht entstanden sein, irgendein "intelligenter Designer" - der Gott der Bibel oder sonst jemand - müsse das Werk initiiert haben.

Unterdessen haben Evolutionstheoretiker den ersten Beleg dafür, was Mutationen eines Gens können: Vor 400 Millionen Jahren entwickelten sich in einem der größten Sprünge der Evolution die Insekten mit ihren sechs Beinen, zuvor hatte es nur Lebewesen wie shrimpsartige Krustentiere mit viel mehr Beinen gegeben. Forscher der University of California in San Diego haben Hox-Gene - sie spielen in der Embryonalentwicklung aller Arten eine zentrale Rolle - von Fliegen und Shrimps verglichen und eine Mutation gefunden, die bei Fliegen die Entwicklung von mehr als sechs Beinen unterdrückt.

Den Kreationisten ist das zu wenig, sie wollen nun wissen, wo die Fliegen ihre Flügel herhaben. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 2. 2002)

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