ORF neu: Painted black

12. Februar 2002, 17:25
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Was einem Aufsichtsrat gegen den Strich geht - ein Kommentar der anderen von Wolfgang Zinggl

Früher einmal war alles Wichtige schwarz. Das erste Fahrrad, die Schuhe der Priester vorne am Altar und die Mercedes der Mächtigen. Schwarz waren auch die Haare von Roy Black. "Zuerst ist nichts und schließlich schwarze Tiefe", haben die Philosophen vor sich hingesonnen. Das war 1964. Und der ganze Existenzialismus steckte nur in diesem einen Wort. Unmöglich, das Gleiche bei den Eskimos auszudrücken, die fast nix Schwarzes kennen und wo "schwarz" "krerner tok" heißt, was kein gutes Gefühl aufkommen lässt, weil jeder sofort an Kren und Toktok denkt.

Dann kam das Volksbegehren. Offenbar war den Menschen so schwarz vor den Augen geworden, dass ihnen das Hören verging. Es war gegen die parteipolitische Färbung des ORF gerichtet, der Rundfunk sollte nicht zum "Frack der Regierung" werden. Und tatsächlich: Er wurde unabhängig. Zumindest ein bisschen. Denn die Unabhängigkeit ist ein Zirkushund, der mit jedem neuen Programm anders dressiert wird.

Auch die österreichische Regierung heute hat ihr Programm und eine eigenwillige Interpretation von Unabhängigkeit. Mit einer Gesetzesreform wurde zuerst der Stiftungsrat installiert und zur Hälfte mit schwarzen Parteigängern besetzt. Der Stiftungsrat wählte eine schwarze Generaldirektorin, und sie hat ein Führungsteam zusammengestellt, in dem mehr als 70 Prozent der Direktoren aus ihrer Partei kommen. Jetzt gnade uns der katholische Gott. Der Dichter sagt: "Mir ist das nicht geheuer/ da schläft ein Zuckerstreuer/ wenn der erwacht/ dann gute Nacht." Und selbst im besten Fall - wenn nämlich die Direktoren ihre Farbe vergessen könnten - bleibt noch die Frage: Warum so viel Kren und Toktok?

Natürlich, Demokratie kann so verstanden werden. Österreich hat vier Parteien im Parlament, zwei davon haben sich auf eine Regierung geeinigt, und die bastelt Gesetze. Das neue Rundfunkgesetz entspricht - so gelesen - den demokratischen Regeln. Ob es dem Willen der Gebührenzahler/innen entspricht, sei dahingestellt. Schließlich finanzieren die schwarzen Seher nur einen Bruchteil des ORF. Trotzdem, wie die Existenzialisten sagen, die drittstärkste Partei tut im ORF, als hätte sie eine Zweidrittelmehrheit im Land. Seltsamerweise haben das die zwei Stärksten, SP und FP, nicht bemerkt. Dabei brauchen sie nur Radio hören. Was sagt der NÖ-Landeshauptmann am Opernball: "Egal, welche Koalition - Hauptsache der Frack ist schwarz."

So raufen wir uns das (leider gar nicht schwarze) Haar, reiben uns die roten Augen und fragen: Ist nicht bald jeder VP-Wähler ORF-Direktor? Wir wissen es nicht. Und gibt es eigentlich auch VP-Wählerinnen? Wir ahnen es. Jedenfalls wurden nur zwei von ihnen Direktorinnen. Zwölf Prozent der möglichen Führungskräfte. Davor hatte die Generaldirektorin versprochen, dass sich im ORF auf allen Ebenen die Geschlechterverhältnisse ändern werden. Nun gut, zwei Führungsposten sind ja noch unbesetzt, die Technische und die Online-Direktion. Und da wollen wir nicht gleich wieder schwarz sehen. Ab sofort werden jedenfalls Wetten angenommen, ob das wohl Direktorinnen werden könnten.

Der Exbundeskurator Wolfgang Zinggl stimmte als einziger Stiftungsrat gegen das neue ORF-Direktorium. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 12. Februar 2002)

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