Polizei sucht Opfer von Sexualverbrechern

11. Februar 2002, 21:12
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Frau zehn Stunden gefangen gehalten

Wien - Die Kriminalisten glauben sich auf der Spur einer Bande von Sexualverbrechern. Es geht um Vergewaltigung, wahrscheinlich illegalge Prostitution und möglicherweise auch Menschenhandel. Die Ermittlungen begannen mit der Anzeige eines Mannes, dessen Freundin zehn Stunden lang sexuell misshandelt wurde.

Die 26 Jahre junge Frau wurde am 5. Februar mit einem Vorwand in eine Wohnung in der Leopoldstadt gelockt, dann taten ihr drei Männer Gewalt an. Die drei befinden sich nun hinter Gittern, die Wienerin war aber nicht das einzige Opfer.

Der mutmaßliche Haupttäter, der 59-jährige Albert D., ist einschlägig vorbestraft: In der gleichen Wohnung in der Schüttelstraße, in der Anfang des Monats die 26-jährige zweifache Mutter vergewaltigt wurde, misshandelte er im August 1994 eine damals 21 Jahre alte Rumänin; sie hatte sich als "Fotomodell" anheuern lassen. Die Frau sprang auf der Flucht vor ihrem Peiniger aus dem Fenster im dritten Stock des Wohnhauses. Sie ist heute querschnittgelähmt. Albert D. wurde wegen dieses Verbrechens zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Die Ermittler rekonstruierten nun jene Nacht Anfang Februar, in der der ehemalige Stuntman, Artist und Zirkusclown gemeinsam mit zwei weiteren Männern über die 26-jährige Wienerin hergefallen ist: Die Frau hatte einen Spaziergang machen wollen, wurde von einem der Männer angesprochen, auf einen Kaffee eingeladen und schließlich in die Wohnung gelockt. Dort wurde sie zehn Stunden lang festgehalten. Die Männer putschten sich, so die Kriminalisten, mit Alkohol, Kokain und Pornofilmen auf.

Opfer schwieg

Aus Angst und Scham wagte die Frau zunächst nicht, die Polizei einzuschalten. Sie vertraute sich ihrem Lebenspartner an. Erst dieser ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Den Kriminalisten kam die Personenbeschreibung des Haupttäters, vor allem ein Hinweis auf eine Missbildung, bekannt vor, sie erinnerten sich an das Jahre zurückliegende Verbrechen.

Der mutmaßliche Hauptverdächtige verweigerte bisher jede Aussage. Die Ermittler schließen nicht aus, dass noch mehr Frauen in dieser Wohnung zu Opfern geworden sein könnten. Zahlreiche Fotos und viele Telefonnummern von Frauen aus Oststaaten lassen die Kriminalisten im Wiener Kommissariat Leopoldstadt vermuten, dass die drei Männer im Rotlichtmilieu groß im Geschäft waren. (APA, red, Der Standard, Printausgabe, 12.02.02)

Die Polizei in Wien-Leopoldstadt ersucht Betroffene, sich zu melden: Tel. (01) 211 28-6113.
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