Kirch verhandelt über Verkauf von Springer

11. Februar 2002, 19:03
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Banken prüfen direkte Beteiligung am Münchner Konzern

Fast rund um die Uhr wird verhandelt: Mit Hochdruck suchen Gläubigerbanken und die Kirch-Gruppe einen Ausweg, um den drohenden Zusammenbruch des Medienkonzerns zu verhindern. Bereits Freitag sind 100 Millionen Euro (1,376 Mrd. S) fällig, Kirchs nächste Rate an die deutsche Fußball-Bundesliga für TV-Rechte.

"Wir führen Gespräche in verschiedene Richtungen", sagte ein Konzernsprecher. Nicht kommentieren wollte er, ob Kirch bereit ist, seinen 40-Prozent-Anteil am Springer-Verlag zu verkaufen, um wieder an Geld zu kommen. Eine Finanzgruppe verhandelt über einen Einstieg.

WAZ zeigt sich interessiert

Auch die WAZ zeigt sich, wie berichtet, interessiert, allerdings dürfte Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer Vorbehalte dagegen haben - wie gegen den internationalen Medienmulti Rupert Murdoch. Ohne ihr O.K. kann sich keiner beteiligen. Kirch will dem Vernehmen nach für die Springer-Anteile rund eine Milliarde Euro.

Um sich nicht von Springer trennen zu müssen, verhandelt Kirch über den Verkauf seiner Beteiligung am spanischen TV-Sender Telecinco. Die Veräußerung an den französischen Sender TF 1 ist kurzfristig gescheitert. Sie brächte zudem nur mehrere Hundert Millionen Euro.

Damit könnte der im April fällige Kredit bei der Dresdner Bank - 460 Millionen Euro - getilgt werden. Um auch die Forderung des Springer-Verlags über 770 Millionen Euro zu begleichen, reichte es nicht, die Kirch für den Rückkauf der ProSiebenSat.1-Beteiligung zahlen muss.

Inzwischen erwägen auch die Gläubigerbanken selbst den Einstieg bei der Kirch-Gruppe. Die Schulden des Medienkonzerns belaufen sich insgesamt auf sechs Milliarden Euro. Die Banken fordern den Rückzug Leo Kirchs aus dem Unternehmen. Der 75-Jährige soll bewegt werden, aus "Gesundheitsgründen" abzudanken, hieß es. Auch ein Großteil des Managements soll ausgetauscht werden.

Ein bisschen Geld vom ORF

Dagegen sträubt sich Kirch, der auch eine Zerstückelung seines Konzerns verhindern will. Die Bankenlösung entspräche dem Wunsch der Politik (vor allem auch Kanzler Gerhard Schröders), den für seine Medienkampagnen berüchtigten Multi Murdoch vom Zugriff auf Kirchs Konzern abzuhalten.

Ein paar - naturgemäß nicht spielentscheidende und noch nicht näher bezifferte - Euro steuert der ORF bei: Im Gegensatz zur Schweizer SRG kauft die Anstalt nun doch die Rechte für 24 Spiele der Fußball-WM 2002 von Kirch. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 12. Februar 2002)

Von STANDARD-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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