Olympischer Gedanke

12. Februar 2002, 23:14
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12. Februar 2002 - Neulich wurde ich bei meinem alten Stammwirt zufällig Zeuge, wie die Herrenabfahrt in Salt Lake City beinahe spurlos ...

... an mir vorüber ging. Dabei haben wir angeblich sogar gewonnen, wie mir diverse, voneinander unabhängige Quellen glaubhaft versichern!

Als tonlose und sich trotzdem dauernd verändernde Tapete im Lokal ist so eine Sportendlosübertragung allerdings erste Garnitur. Man kann daran seinen Wahrnehmungsapparat schärfen. Sofern dies beim Stammwirt ansatzweise möglich ist. Man ist und bleibt halt Optimist.

Wenn man zum Beispiel gerade eine kurze Konversation über den fehlenden Hintern in der Hose von Schispringern geführt hat, und warum deshalb Werner Grissmann Abfahrtsrennläufer werden musste, hat man schnell einmal zwei, drei Läufer nur mit einem Auge gesehen. Von wegen, sein Gegenüber beim Reden immer anschauen, das gehört sich so.

Allerdings fällt einem dann bei der Rückkehr zum Bildschirm auf, dass der Schnee zwar noch der alte, aber bezüglich der Rennanzüge kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Statt in Silber gurkt da plötzlich einer in Kanarienvogel um die Tore, die Zwischenzeiten sind völlig andere geworden . . . möglicherweise hat sogar die Wettkampfdisziplin gewechselt.

Wo vorher einer es gar nicht derbremsen konnte, sieht man jetzt plötzlich bunte Männer im Flachen, die mit den Stöcken anschieben müssen. Der Hintergrund bleibt weiß. Olympia 2002, es lebe der kleine Unterschied! Ich werde das alles ertragen. Ohne Ton. (schach/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. Februar 2002)

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