Die wunderbaren Pulsfühler

11. Februar 2002, 21:00
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Das "Theater im Bahnhof" schwimmt mit der Theaterserie "LKH" in 3 Teilen auf einer Welle des Erfolgs

von STANDARD-Mitarbeiterin Beate Frakele


Graz - Es ist intelligent - und unterhaltsam: Die Rede ist vom Theater im Bahnhof, 1989 im Jugendwarteraum des Hauptbahnhofs gegründet. Zuletzt ging LKH, die gemeinschaftlich mit dem Schauspielhaus und prominenten Gästen durchlittene Krankenhaus-Soap, furios zu Ende.

Überraschend war allenfalls der Synergieeffekt mit dem Schauspielhaus, dessen Stars sich mit Genuss auf das Experiment einließen, das die Fangemeinde des TiB-Ensembles - das in seinem Stammhaus (seit 1996 am Lendplatz) jährlich rund 100 Vorstellungen spielt - deutlich vergrößern wird. Schauspieldirektor Fontheim, in der dritten Folge selbst als Klinikpsychologe auf der Bühne, nimmt die Produktion im Mai wieder auf.

Improvisations-Profis

Die Impro-Profis des TiB stehen bewusst in der Tradition des Volkstheaters; sie schaffen den Spagat zwischen Gesellschaftskritik und skurriler Unterhaltung mit heimtückischem Erkenntnisangebot. Ansatzpunkt dafür ist immer das Leben in der Stadt, und dabei kennen sie keine Berührungsängste: Die Multitalente machen weder vor Schulen noch vor Supermärkten Halt. 153.000 (2,1 Mio. S) Subvention sind weniger als die Personalkosten; am Leben erhält sich das TiB durch Gastspiele und "Betriebstheater" genannte Auftragswerke für Wirtschaft und Tourismus.

Stückeschreiben im Sechs-Personen-Kollektiv

Nicht nur LKH - das auf die Idee eines Mediziners zurückgeht -, die meisten Stücke fertigt ein Sechs-Personen-Kollektiv: Vor dem Schreiben werden Module festgelegt, Szenen verteilt. Eigenbau-Leiter Michael Ostrowski, der in LKH als heimwehkranker Arzt brilliert, überprüft das Material während des Spiels.

Filmprojekte, eine Oper über Marcus Omofuma - auf die Frage, wie es kommt, dass ein Dutzend seit Jahren an einem Strang zieht, nennt der Leiter Helmut Köpping neben Pragmatismus vor allem Humor und Identifikation. Auch Identifikation mit dem jeweiligen "Jahresthema": Es nimmt Bezug auf die österreichische Gegenwart und heißt, oh Wunder, "Boulevard".
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.02. 2002)

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