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13. Februar 2002, 11:19
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Politiker bleiben unter sich - Chancen auf Österreich-Lösung so gut wie nie - Todesstoß für Verbund-E.ON-Deal?

Wien - Im Vorfeld des Stromgipfels am Mittwoch steigt die Spannung in der österreichischen E-Wirtschaft. Nagelprobe, ob die Unternehmen die politisch erwünschte große österreichische Stromlösung als ernsthafte Vorgabe sehen, wird die Frage sein, wer seitens der Länder am Gipfel teilnimmt. Vorherige Anläufe zu nationalen Lösungen waren auch daran gescheitert, dass Niederösterreich und Wien statt der Landeshauptleute Erwin Pröll und Michael Häupl die Vorstände ihres jeweiligen Landesversorgers (EVN, Wiener Stadtwerke) schickten. So soll es diesmal nicht laufen, wird versichert.

Bis jetzt hat sich die elektrische innerösterreichische Einigkeit darauf beschränkt, den geplanten Deal zwischen Verbund und dem deutschen Atomstromriesen E.ON abzuschießen. Nun geht es ums Eingemachte, sprich darüber, wie die rot-weiß-rote Lösung ausgestaltet wird, bis wann die Grundzüge der Kooperation fixiert sein müssen.

Kooperationsmodell

Hinter den Kulissen haben sich Verbund und Energie Allianz (EVN, WienStrom, Energie AG Oberösterreich, Linz AG, die burgenländische Bewag soll bald den Anschluss finden) bereits auf ein Kooperationsmodell geeinigt, allerdings sind einige heikle Details noch offen. Experten meinen, dass sich auch dank des politischen Drucks eine Lösung finden lassen wird. Grundlage: Jeder soll machen, was er am besten kann. Der Verbund die Stromerzeuger, die Allianz mit rund drei Mio. Kunden den Vertrieb.

Als Vorbild wird die steirische Stromlösung genannt. Der Verbund hat seine Tochter Steg mit Kraftwerken und Mittelspannungsnetz in die Landesgesellschaft Steweag eingebracht. Die Steirer erhielten dafür eine Beteiligung an der Verbund-Erzeugungsgesellschaft AHP. Möglich wurde dieser Deal aber nur, weil die Electricité de France, die eine Sperrminorität an der steirischen Energieholding Estag hält, zugestimmt hat.

Todesstoß für Verbund-E.ON-Deal?

Völlig unklar ist aber noch, ob es auf dem Gipfel zu der von Pröll gewünschten Todeserklärung für den E.ON-Deal kommen wird. Insider können sich nämlich durchaus mit der Überlegung anfreunden, dass sich die rot-weiß-rote Stromallianz einen starken ausländischen Partner anlacht, allerdings erst, nachdem die innerösterreichische Lösung steht, also aus einer Position der Stärke.

Auch innerhalb des Verbunds gibt es einen Meinungsumschwung weg von E.ON. Hauptgrund: Die Deutschen wollten die starke Position des Verbunds in der vorgesehenen gemeinsamen Erzeugungsfirma durch Nebenabsprachen unterhöhlen. (DER STANDARD, Printausgabe 12.2.2002)

Analyse von Clemens Rosenkranz
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