Und täglich murrt der Ambulanzbesucher

11. Februar 2002, 17:34
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Tausende Beschwerden setzen Krankenkassen unter Druck

Wien - 5000-mal pro Tag klingeln die Telefone der Hotline der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse, die zur Einhebung der Ambulanzgebühr eingerichtet wurde (0732/7807-1116). Jeder der 65 Kassenmitarbeiter, der am Ratgebertelefon sitzt, muss durchschnittlich 76 Patientenanrufe entgegennehmen.

Vor allem in den Tagen nach der Aussendung der Zahlscheine (10,9 € mit Überweisung, 18,17 € ohne) kämen die Anrufe "geballt", sagt Vizedirektor Hans Popper zum STANDARD. Allein in Oberösterreich werden dieser Tage fast 114.000 Vorschreibungen für Ambulanzbesuche (2,7 Mio. €) verschickt.

Den sieben Telefonisten der Hotline der GKK Salzburg (0662/8889-333) ist nach Tausenden Anrufern nichts Menschliches mehr fremd: Die Palette des Anruferverhaltens reicht von "höflich bis flegelhaft, aber auch bösartigste Reaktionen gibt es", erzählt Kassenchef Harald Seiss und stöhnt unter "irrem Verwaltungsaufwand und Riesenproblemen" durch die Ambulanzgebühr. Müsse er doch von 1999 bis 2003 ein Fünftel des Verwaltungspersonals abbauen - bekomme aber gleichzeitig neue Aufgaben wie die Abwicklung der Ambulanzgebühr aufgebürdet.

Extremer Verwaltungsaufwand

Das Prozedere ist extrem verwaltungsaufwändig. Die Ambulanzen schicken die Daten an die Kasse, diese an den Hauptverband, wo die Patienten der richtigen Kasse zugeordnet und die Daten hinverschickt werden. Die Kassen schicken dann die Rechnung aus - und dürfen sich Beschwerden über "offensichtlich sehr viele fehlerhafte Meldungen" anhören, so Seiss. Im Burgenland soll etwa Schwangeren, die gebührenbefreit sind, die Gebühr vorgeschrieben worden sein. Jeder einzelne Fall muss von der Kasse geklärt werden. Seiss fordert daher unbedingt eindeutigere und weniger Ausnahmen sowie die Einhebung der Gebühr gleich im Spital.

Eine Ansicht, die auch Hauptverbandsgeschäftsführer Josef Probst teilt: Die Gebühr solle direkt am "point of sale" verrechnet werden. Die jetzige Abwicklung "führt logischerweise zu Problemen".

Helfen und Gebühr abschaffen

Der Chef der GKK Wien, Franz Bittner, weiß ebenfalls von "gewaltigen Beschwerden". Resümee: "Man kann den Kassen und den Menschen helfen, indem man die Ambulanzgebühr abschafft."

Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (FP) ist indes vom Lenkungseffekt der Ambulanzgebühr überzeugt. Er forderte vom Hauptverband klare Einhebungsrichtlinien. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2002)

von Lisa Nimmervoll
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