Iran: Massenproteste gegen die USA

12. Februar 2002, 06:08
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Hunderttausende zum Jahrestag der iranischen Revolution auf der Straße - "Tod den USA" als Antwort auf die "Achse des Bösen" - Khatami: "Sie halten sich für die Herren der Welt"

Teheran - Hunderttausende Iraner haben am Montag aus Anlass des 23. Jahrestages der Islamischen Revolution und des Sturzes des Schahregimes gegen die amerikanische Einordnung ihres Landes in eine "Achse des Bösen" protestiert. "Tod den USA!" skandierten sie auf dem Platz des Friedens in der Hauptstadt Teheran. Das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei hatte zu einer "Ohrfeige für die Feinde Irans" aufgerufen. Präsident Mohammad Khatami sagte vor den Demonstranten: "Dass wir bedroht sind, liegt daran, dass die USA, oder einige ihrer Anführer, sich für die Herren der Welt halten und wollen, dass die Welt ihrer Politik folgt."

"Wir hoffen, die amerikanische Regierung wird aufwachen und ihre Politik gegenüber dem Iran ändern", sagte Khatami. Demonstranten verbrannten eine Puppe der Symbolfigur der USA, "Uncle Sam", und hielten eine Puppe von US-Präsident George W. Bush hoch. Um ihren Hals hing ein Schild mit der Aufschrift "Es war ein Fehler von mir, dem Iran zu drohen." US-Präsident George W. Bush hatte vor zwei Wochen den Iran, den Irak und Nordkorea als drei Staaten genannt, die zur "Achse des Bösen" gehörten. Im Iran haben diese Anschuldigungen zu einem Wiederaufleben antiamerikanischer Propaganda geführt.

"Botschafter des Friedens"

"Wir sind Botschafter des Friedens, wir verurteilen den Terrorismus," betonte der iranische Präsident vor den Demonstranten. Khatami forderte eine Aufklärung der "niederträchtigen" Anschläge vom 11. September. Es müsse untersucht werden, inwieweit die "falsche Politik der USA" die Tat begünstigt habe. Das amerikanische Volk müsse seine Regierung fragen, wie lange es noch den Preis für die verfehlte Politik zahlen müsse.

Khamenei hatte vor hohen Armeeoffizieren betont, die Antwort auf eine amerikanische Provokation wäre mit Sicherheit eine "sehr starke". Die Streitkräfte und das ganze Volk müssten in der gegenwärtigen Situation wachsam sein. Jede ausländische Macht, die es auf die "Identität und Ehre der iranischen Nation" abgesehen habe, würde "den Hass des iranischen Volkes auf sich ziehen", warnte Ayatollah Khamenei. An die Adresse der USA gerichtet, sagte er: "Nicht nur das iranische Volk hasst euch, nein, die ganze Welt hasst das arrogante und scheinheilige Unterdrückerregime, das ihr repräsentiert!" Das iranische Volk hasse ein "Regime, das die Fahne der Demokratie, der Freiheit und der Menschenrechte schwenkt, das zugleich das israelische Regime verteidigt und sich in Afghanistan unmenschlich gegenüber Gefangenen verhält".(APA/Reuters/AP)

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