Walter Hewlett präsentiert sein Anti-Fusions-Konzept

11. Februar 2002, 17:16
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HP soll sich auf seine "Kronjuwelen" konzentrieren - Reaktion: "Marktschreierische Binsenwahrheiten"

Walter Hewlett, ältester Sohn des Hewlett-Packard-Gründers William, hat in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" erstmals konkret zu seinen Zukunftsplänen mit HP Stellung bezogen. Der 57-jährige ist neben anderen Mitgliedern seiner und der Packard-Familie ein scharfer Kritiker der Fusion mit Compaq. Die beiden Familien halten rund 18 Prozent an HP. Hewlett wird dagegen stimmen und hat die Aktionäre in Briefen dazu aufgefordert, ihr Stimmrecht an ihn abzugeben. Sein Programm sieht eine Stärkung der seiner Meinung nach "Kronjuwelen" HPs, Drucker und Bildberabeitung, einen schrittweisen Rückzug aus dem PC-Geschäft sowie den Rücktritt von CEO Carly Fiorina vor.

"Was HP braucht, ist Spezialisierung, nicht Breite"

Grundsätzlich nennt er die Fusion einen "Fehler, der das Unternehmen auf den falschen Weg" führen werde. "Was HP braucht, ist Spezialisierung, nicht Breite."Laut Hewlett handle es sich hier um eine Fusion zwischen verfeindeten Rivalen, so als wolle man versuchen Athen und Sparta unter einen Hut zu bringen. Wenn die HP-Aktionäre am 19. März die Fusionspläne ablehnen, könnte der Vorstand des Konzerns zurücktreten, eine Aktion, die nach Hewletts Ansicht aber nicht notwendig ist. Auf der Aktionärsversammlung werde lediglich die strategische Richtung bestimmt und nicht über den Vorstand befunden. Kein gutes Haar lässt er allerdings an Fiorina. Da sie die Fusion zu ihrem persönlichen Projekt gemacht habe, sollte sie im Falle einer Abstimmungsniederlage zurücktreten. Prinzipiell merkte er in Richtung Fiorina an, HP brauche einen "erfahrenen CEO, nicht jemanden, der das Handwerk erst lernen muss." Die HP-Chefin war zuletzt bei Lucent als leitende Angestellte im Verkauf tätig.

Fördern?

Laut Hewletts Vorstellungen sind die Sparten Drucker und Bildbearbeitung die profitabelsten Bereiche des Unternehmens, die es zu fördern gelte. Daneben sollte HP mehr Gewicht auf das Geschäft mit Software und Beratung legen. Er könnte sich beispielsweise einen zweiten Anlauf vorstellen, die Consulting-Sparte von PricewaterhouseCoopers zu übernehmen. Die gepante Übernahme war im Herbst 2000 abgebrochen worden.

Die Pläne Walter Hewletts stoßen erwartungsgemäß nicht nur auf Zustimmung. HP-Vorstandsmitglied George Keyworth, ein Fusionsbefürworter und HP-Urgestein, kritisiert die Äußerungen Hewletts als "marktschreierische Binsenwahrheiten". Hewlett-Packard könnte ohne eine starke PC-Sparte seine Geschäftsbereiche Drucker und Bildbearbeitung gar nicht ausbauen. Aus dem PC-Geschäft auszusteigen, würde überdies weit mehr als die nach der Fusion mit Compaq veranschlagten 15.000 wegfallenden Jobs kosten.(pte)

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