Die finanziellen Risiken der Kirch-Gruppe

11. Februar 2002, 14:59
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Bankkredite, Fußballraten und ungeduldige Partner

Der Münchner Medienhändler Leo Kirch steht mit dem Rücken zur Wand. Die Schulden seines Konzerns belaufen sich mittlerweile auf fünf bis sechs Mrd. Euro (bis 82,6 Mrd. S) Banken und Partner werden langsam ungeduldig und setzen dem 75-Jährigen die Pistole auf die Brust. In den kommenden Monaten steht Kirch vor einem regelrechten Spießrutenlauf - alle paar Wochen werden Forderungen fällig:

Bundesliga

Noch in dieser Woche muss Kirch zunächst die Bundesliga zufrieden stellen. Sein Unternehmen hatte sich im Sommer 2000 die TV-Übertragungsrechte bis 2004 für 1,53 Mrd. Euro gesichert. Pro Saison werden rund 375 Mill. Euro fällig. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" muss am Freitag eine Teilrate von etwa hundert Mill. Euro für die laufende Runde gezahlt werden.

Axel Springer-Verlag

Bis Ende April will der Axel Springer Verlag Geld sehen. Ende Jänner hatte Europas größtes Verlagshaus die Partnerschaft bei der Kirch-Tochter ProSiebenSat.1 mit einer Frist von drei Monaten aufgekündigt und auf eine entsprechende Vereinbarung mit Kirch zum Rückzug aus der Senderfamilie verwiesen. Nach Angaben aus Firmenkreisen werden damit 767 Mill. Euro fällig. Kirch bestreitet allerdings, dass Springer ein Recht zum Ausstieg hat.

Banken

Deutlich höher in der Kreide steht Kirch bei den Banken. Größter Geldgeber des Münchner Konzerns ist die halbstaatliche Bayerische Landesbank mit 2,2 Mrd. Euro. Diese dürfte noch zu den verlässlicheren Gläubigern gehören. Schwieriger ist die Lage bei den Privatbanken, die einen Bankrott von Kirch und damit den Verlust ihrer Außenstände fürchten.

Die Dresdner Bank wurde schon im Dezember unruhig, erklärte sich dann aber doch kurzfristig bereit, die Rückzahlung eines fälligen Kredites über 460 Mill. Euro nochmals zu verschieben. Er wird nun im April fällig. Bei der Bayerischen Hypo-Vereinsbank lief es ähnlich. Das Unternehmen sah sich dabei genötigt, öffentlich zu beteuern, ihre Kirch-Kreditlinien betrügen "insgesamt weniger als brutto 500 Mill. Euro". Auch die Deutsche Bank, die nach Presseberichten rund 600 Mill. Euro an Kirch verliehen hat, macht zunehmend Druck.

Murdoch

Großes Kopfzerbrechen bereitet Kirch auch Rupert Murdoch als Teilhaber am Verluste schreibenden Bezahlsender Premiere World. Murdochs britische PayTV-Tochter BSkyB bestätigte am Freitag, das das Unternehmen zum 1. Oktober seine 22-prozentige Beteiligung an Premiere World zurückgeben kann. Der Betrag hierfür liegt nach Expertenschätzungen zwischen 1,6 bis 1,7 Mrd. Euro. BSkyB-Chef Tony Ball zufolge ist Kirch definitiv zur Zahlung von 1,3 Mrd. Euro in bar verpflichtet. Dazu kommen allerdings noch Zinsen. (APA)

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