Von "Schröder-Klone" bis "Eichel-Schwein"

11. Februar 2002, 14:46
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Millionen tummelten sich bei Deutschlands Rosenmontagszügen

Köln - Im Pool plantschende MinisterInnen und Besenkammer-Eskapaden: Mit derben Witzen über die Liebesspiele von MinisterInnen und Prominenten haben Millionen Narren am Rosenmontag in Deutschland den Höhepunkt des Straßenkarnevals gefeiert. In Köln und Mainz rollten unter dem Jubel schrill kostümierter Narren kilometerlange Rosenmontagszüge durch die Innenstädte. An den Fernsehern verfolgte ein Millionenpublikum das grelle Treiben.

Bin-Laden-Masken tabu...

In Düsseldorf formierte sich zur "Närrischen Olympiade" ein Rekordzug mit 6.500 KarnevalistInnen. Im Osten Deutschlands prasselten unter dem donnernden Schlachtruf "Kuh-Kaff-Köthen" (Sachsen-Anhalt) Bonbons, Köthener Würstchen und Pralinenschachteln auf die närrische Menge nieder. Überall galt Narrenfreiheit - nur bei einem Thema verstanden die Jecken keinen Spaß: Bin-Laden-Masken waren tabu.

... dafür "Bin Baden"-Rufe

Bei ihren Spitzen gegen "Kanzler Schröder & Co" nahmen die Narren kein Blatt vor den Mund. "Vom Pool in die Traufe", witzelte ein Festwagen in Köln über die Urlaubsfotos von Verteidigungsminister Rudolf Scharping. "Bin Baden!" prangte auf einem Mainzer Motivwagen.

Der Kanzler selbst mixte im Gen-Labor sein perfektes Kabinett zusammen - Mini-Schröders warten im Reagenzglas auf ihren Einsatz. Der grüne Außenminister Fischer muss sich vor Schröder in Acht nehmen: Zahnarzt Gerhard zieht Joschka nach "Atomausstieg" und "Waffenlieferung" den letzten "Pazifismus"-Zahn.

"Europhorie"

Immer wieder ging es um die "Europhorie". "Dank Euro wird die Fastnachtsfeier jetzt aach in Määnz nur halb so deier!", schrieben sich die Mainzer Narren auf die Fahnen. Eine Fundgrube für die KarikaturistInnen war die Debatte um die Kanzler-Kandidatur der Union. Edmund Stoiber in Unterhosen zerrte Angela Merkel an den Beinkleidern: "Das ist meine Hose!"

Finanzminister Hans Eichel jagte auf einem tollwütigen Sparschwein einem armen Schlucker hinterher. Auch Tennisstar Boris Becker bekam sein Fett weg: Die Kölner Wagenbauer verbannten ihn zum Liebesspiel in die berühmt-berüchtigte Besenkammer.

Kosten von 920.000 Euro

Mit der Garde der "Blauen Funken" an der Spitze hatte sich der Kölner Festzug pünktlich um 11.11 Uhr in Bewegung gesetzt. Auf einer Länge von sieben Kilometern zogen 240 Wagen und 124 Musikkapellen unter dem Motto "Janz Kölle es e Poppespiel" (Ganz Köln ist ein Puppenspiel) am Dom vorbei.

Insgesamt kostet der Rosenmontagszug inklusive "Wurfmaterial" und Tribünenbau 920.000 Euro (12,66 Mill. S) (APA/dpa/AP)

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