Hans Holleins "Parc européen du volcanisme" ist eröffnet

20. Februar 2002, 16:05
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Clermont-Ferrand - Seit Mittwoch hat Österreichs Star-Architekt Hans Hollein trotzdem einen Museumsbau vorzuweisen, der ohne Vergleich ist: "Vulcania", ein naturkundliches Museum, das sich ausschließlich auf Vulkanismus konzentriert.

Foto: APA/AFP/Philippe Desmazes

"Erlebnis des Eindringens in die Erde"

Drei Viertel der beeindruckenden Kubatur (allein die Ausstellungsfläche beträgt 4.700 Quadratmeter) hat Hollein in ein Hochplateau im Zentrum der Auvergne gebaut und dennoch dem "Parc europeen du volcanisme" ein einprägsames, von außen sichtbares Wahrzeichen gegeben: Der 28 Meter hohe Konus, ein aufgeschnittener, symbolischer Vulkankegel, an dessen Innenseite über goldfarbene Titanplatten das Licht ins Innere geleitet wird.

20 Minuten dauert die Anreise von Clermont-Ferrand, dem Hauptort der Auvergne. Auf fast 1.000 Metern Seehöhe gibt es hier im weiten Umfeld nichts anderes als eine einzigartige, von vulkanischen Kräften geformte Naturlandschaft und die Ausgesetztheit gegenüber Wind und Wetter. Betritt man das insgesamt 57 Hektar umfassende Gelände, wird gleich klar, dass man es hier mit einem Großprojekt zu tun hat.

Unter Umweltschützern nicht unumstritten

Die Planungen des nach seinem heftigsten Befürworter, dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten und nunmehrigen Regionalpräsidenten der Auvergne, Valery Giscard d'Estaing, im Volksmund auch "Giscardoscope" genannten Projekts gehen über zehn Jahre zurück. Die Gesamtkosten stiegen von ursprünglich geschätzten 38 Millionen Euro (523 Mill. S) auf über 100 Millionen.

Die Erwartungen der Bevölkerung, die für das Projekt Steuererhöhungen hinnehmen musste, sind groß: Bis zu 800.000 Besucher soll das vor allem bei Naturschützern umstrittene Museum jährlich anlocken.

Der Planer

Seit 1994 ist Hans Hollein mit der Planung und Realisierung beauftragt. Und bereits ein erster Rundgang am Tag der Eröffnung zeigt, dass er und der Szenograph Rainer Verbizh ihre Sache ausgesprochen gut gemacht haben. Ohne Scheu vor multimedialen Effekten geraten sie doch nie in Versuchung, den Effekt vor den Inhalt, die Inszenierung vor die Sache zu stellen. Was dem Besucher in den radial um den zentralen Konus angeordneten Museumsräumlichkeiten und den zwei Kinosälen geboten wird, ist dichte, kompakte Information über Vulkane und ihre Erforschung, über die Erdgeschichte im Allgemeinen und die Entstehung der Auvergne im Besonderen.

Ein Besuch des Museums dauert zumindest drei Stunden. Die Begegnung mit dem in der Erde schlummernden Feuer, mit den gewaltigen Urkräften, mit jenen Vulkanforschern, die ihre Leidenschaft mit dem Leben bezahlten, spricht alle Sinne an. Überall brodelt es, blubbert, vibriert und dröhnt es. Der Museumskomplex kommt nie zur Ruhe und scheint bereits ein Eigenleben zu haben, noch bevor der erste reguläre Besucher ihn betreten hat. Und wer trotzdem cool bleiben sollte, dem bleibt zumindest bei der dreidimensionalen Begegnung mit Flugsaurier und Mammut die Spucke weg. Derart hautnah wie in dem eigens angefertigten 3-D-Film sind wohl noch nie Museumsbesucher von einem Mammut-Rüssel beschnüffelt worden ... Zumindest der Entertainment-Faktor dürfte somit gegeben sein. (APA)

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