Schills Haar kommt unter die Lupe

11. Februar 2002, 14:29
posten

Hamburgs Innensenator will Kokain-Gerüchte endgültig entkräften und unterzieht sich Tests in München

Hamburg - Der Hamburger Innensenator Ronald Schill will sich nach eigenen Angaben am Montag in einem rechtsmedizinischen Institut in München eine Haarprobe entnehmen lassen, um die gegen ihn erhobenen Kokain-Vorwürfe zu entkräften. Schill sagte in Hamburg, er habe sich gegen eine Haarprobe in Hamburg entschieden, um bei einem für ihn entlastenden Ergebnis gar nicht erst Spekulationen entstehen zu lassen, er habe darauf Einfluss genommen. Er erwarte weitere Versuche, ihn zu diskreditieren. "Um dem den Boden zu entziehen, mache ich jetzt diese Haarprobe", sagte Schill. Ein Ergebnis der Haaruntersuchungen werde in drei bis acht Tagen erwartet.

Das NDR-Magazin "Panorama" hatte in der vergangenen Woche unter Berufung auf die eidesstattliche Aussage eines anonymen Zeugen berichtet, Schill habe sich auf einer Wahlparty im Kreis von sieben bis acht Führungspersonen seiner Partei weißes Pulver auf das Zahnfleisch gerieben. Dies sei ein bei Kokain-Konsumenten übliches Vorgehen, berichtete das Magazin. Auch die "Hamburger Morgenpost" zitierte den Zeugen.

Zeitungsberichten zufolge soll es sich bei dem Mann um einen 27-Jährigen aus der Schill-Partei handeln. Inzwischen wurden Zweifel an den Aussagen des inzwischen namentlich bekannten Mannes laut. Das "Hamburger Abendblatt" berichtete unter Berufung auf Kreise der Schill-Partei, der 27-Jährige habe sich vermutlich dafür rächen wollen, dass er nicht als Kandidat auf der Bürgerschaftsliste aufgestellt worden sei.

Es sei zweifelhaft, dass Schill auf der Wahlparty unter den Augen der anderen Gäste, Dutzender Journalisten und Personenschützern des Landeskriminalamts Kokain genommen haben könnte. Die drei Personenschützer Schills hätten ausgesagt, nichts Derartiges bemerkt zu haben, heiß es in dem Bericht weiter. Die Staatsanwaltschaft hat die Redaktionen des NDR und der "Hamburger Morgenpost" gebeten, ihre Informationen zur Verfügung zu stellen.(APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.