El Kaida bildete "Schläfer" zwei Monate lang in Afghanistan aus

12. Februar 2002, 18:59
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Angeblich Meinungsverschiedenheiten über Terrorziele

Kairo/London - Die Terrororganisation El Kaida hat ihre so genannten Schläfer jeweils ein bis zwei Monate lang in Lagern in Afghanistan ausgebildet. Aus Briefen an einen ihrer Ausbildungleiter namens Abu Said el Kurdi, die am Montag von der in London erscheinenden arabischen Tageszeitung "Al-Hayat" abgedruckt wurden, geht hervor, dass diese "Terroristenhelfer" aber nicht als Mitglieder der Organisation akzeptiert wurden. Die Briefe zeigen auch, dass es unter den Anführern des El Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden offenbar Meinungsverschiedenheiten darüber gab, welches die nächste Front im "Heiligen Krieg" sein sollte.

"Ich habe vom Libyer gehört, dass Du in den Jemen und dann nach Eritrea reisen willst", heißt es etwa in einem Brief, den Kurdi nach Angaben der Zeitung an einen seiner Gesinnungsgenossen mit dem Decknamen "Ziad der Jemenit" schrieb, der plötzlich und ohne vorherige Absprache nach Pakistan gegangen war. "Wenn Du nur den Tod suchst, kannst Du auch zurückkommen. Ich werde Dich dann umbringen, ohne dass Du Dich dafür abmühen musst", fügte er hinzu. Kurdi habe das Lager "Khaldan el Dschadid" nahe der pakistanischen Grenze geleitet, berichtete die Zeitung. Seine Briefe seien kurz nach dem Sieg der Nordallianz in dem verlassenen Lager gefunden worden.

Aus der Korrespondenz gehe außerdem hervor, dass nur solche Kämpfer als Mitglieder der El Kaida galten, die nach dem ersten Training weitere Monate in Lagern wie dem "El Faruk" in Afghanistan verbrachten. Dort seien sie weiter trainiert und anschließend zu den Taliban-Truppen geschickt worden. Im Kampf gegen die Nordallianz an der Seite der Taliban hätten die neuen El Kaida-Mitglieder ihre Loyalität und ihre Fähigkeiten im Kampf unter Beweis stellen sollen, hieß es. Anschließend habe man sie zu "Operationen" ins Ausland geschickt.

In einem der Briefe des Terroristen-Ausbilders Kurdi erklärt dieser, er sei sehr zufrieden, da er fast 100 neue Kämpfer habe ausbilden können. Diese würden bald zu "Märtyrern" werden und seien bereits "auf dem Weg zu Gott". In anderen Briefen beklagten sich vor allem nicht-arabische Kämpfer über Mängel in der Ausbildung für Attentate und Nahkampf und Spannungen zwischen arabischen und nicht- arabischen Mitgliedern der Organisation. (APA)

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