Konjunkturaufschwung lässt noch auf sich warten

11. Februar 2002, 14:34
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IWI-Clement: Noch kein Anspringen der Industrieinvestitionen absehbar

Wien - Am Konjunkturhimmel zeigt sich ein erster schwacher Silberstreif, mit einem merklichen Aufschwung in den nächsten Monaten ist aber noch nicht zu rechnen. Dieses Resümee zog Werner Clement, Vorstand des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) am Montag in Wien: Seit einigen Wochen gebe es bei diversen Indikatoren zwar "stimmungsmäßige Aufhellungen", auf einer "tragfähigen Basis befinden wir uns damit aber noch nicht", urteilte der Wirtschaftsexperte, der auf die nach wie vor geringen Investitionen der Unternehmer in Maschinen und Anlagen verwies: "Für eine strukturelle Verbesserung müssten wir ein Anspringen der Anlageinvestitionen sehen."

Die Wirtschaftskammer (WKO) wiederum glaubt die "Talsohle" der Konjunkturentwicklung erreicht. "Die Voraussetzungen für die Belebung der Industriekonjunktur sind intakt", gab sich Wolfgang Damianisch, Geschäftsführer der WKO-Industriesparte optimistisch. Als Grund für seine Zuversicht gab Damianisch die Entspannung der Situation bei den Neuaufträgen an. Nach der aktuellen Einschätzung der Industrieverbände für das erste Quartal haben sich die für diesen Zeitraum die Auftragseingänge gegenüber dem Vorquartal wenigstens nicht noch weiter verschlechtert.

Dieses Bild ist freilich noch düster genug: 12 der 20 Industrieverbände berichten von einem erwarteten weiteren Rückgang der Auftragseingänge, nur zwei konstatieren mehr Neuaufträge. Vor Jahresfrist - also im ersten Quartal 2001 - stellte sich das Bild noch spiegelverkehrt dar: Die Hälfte der Verbände sprach damals noch von zahlreicher werdenden Ordern, lediglich 2 Branchen mussten eine geringere Neuaufträge vermelden. Während bei den Neuaufträgen die Kurve nach unten wenigstens abgeflacht ist, zeichnet sich in der Produktion noch kein Boden ab: die Zahl der Fachverbände mit einem Produktionsminus wuchs von 10 auf 12, jene mit steigender Produktion verminderte sich von drei auf zwei. Nur die Nahrungs- und Genussmittelindustrie rechnet für die ersten drei Monate 2002 mit mehr Output.

"Konjunkturpolitik Durchwursteln"

Weder Politiker noch Wirtschaftsforscher haben laut IWI-Chef Clement heute in sich schlüssige Vorstellungen darüber, was von staatlicher Seite zur Belebung der Konjunktur gemacht werden kann und soll, die Konjunkturpolitik sei "weltweit desorientiert". "Eine neue Konjunkturtheorie existiert heute noch nicht, genauso wenig wie die Ökonomie der 'New Economy'", meinte Clement, der meinte, dass die "konjunkturelle Stabilisierung in ganz unterschiedlichen Formen aus dem Ruder läuft". Statt um eine "Wirtschaftspolitik aus einem Guss", gehe es derzeit nur darum, "sich durchzuwursteln, oder eleganter ausgedrückt: um Konjunkturpolitik im Stil des muddling through".

Was die derzeitige Situation anlangt, sprach der Industriewissenschafter von "widersprüchlichen Indikatoren" und einem "zwiespältigen Bild". Negativ bzw. noch ohne Erholungszeichen seien nach wie vor die Inflations- und Arbeitslosenrate, der Produktionsindex sowie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf oder der vom Eurostat erhobene Indikator für das Vertrauen in der Industrie. Eine Trendwende zum Besseren könne man dagegen aus den OECD-Frühindikatoren, dem Erzeugerpreisindex, dem Auftragseingang in Deutschland sowie dem IFO-Geschäftsklimaindex ablesen.

Die Kurve des Aufschwungs könne durchaus in Form eines "Kamelhöckers" kommen, glaubt der Experte. Dabei würde auf einen kurzen Aufschwung eine neuerliche Verschlechterung folgen, ehe es wieder kräftig nach oben geht.

(APA)

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