Dresdner Bank und HVB rittern um Kirchs Springer-Anteil

13. Februar 2002, 15:55
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Verkaufsentscheidung in den nächsten Tagen

München/Frankfurt/New York - Nach der HypoVereinsbank (HVB) erwägt auch die Dresdner Bank einen Kauf der Kirch-Anteile am Axel Springer Verlag. Das Frankfurter Geldhaus prüfe ein Offert für den 40-prozentigen Anteil an Europas größtem Pressekonzern, hieß es am Mittwoch aus Finanzkreisen. Der US-australische Medien-Tycoon Rupert Murdoch erhöhte unterdessen den Druck auf die hoch verschuldete Kirch-Gruppe: Er kündigte definitiv einen Ausstieg aus Kirchs Bezahlsender Premiere World an, wofür Kirch rund 1,6 Mrd. Euro (22 Mrd. S) zahlen müsste. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) betonte, er favorisiere eine deutsche Lösung bei der Neuordnung der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe.

Wie die HypoVereinsbank ist die Dresdner Bank wichtiger Gläubiger von Kirch. Bei beiden Banken steht der Münchner Medienunternehmer mit je rund 460 Mill. Euro in der Kreide. Insgesamt haben sich bei Kirch Schulden von 5 bis 6 Mrd. Euro angehäuft; das Unternehmen sucht deshalb dringend nach Auswegen aus seiner Finanzkrise. Die HypoVereinsbank bietet nach Angaben aus Branchenkreisen für Kirchs Springer-Anteil 1,1 Mrd. Euro. Über ein Offert der Dresdner Bank lagen noch keine Angaben vor. Weder die Dresdner Bank noch Kirch wollten zu den Angaben bisher Stellung nehmen.

Treffen

Eine Entscheidung über den Springer-Anteil von Kirch wird für die nächsten Tage erwartet. Der "Financial Times Deutschland" zufolge hatte die Deutsche Bank als weiterer Kirch-Gläubiger für Mittwoch zu einem Investoren-Treffen eingeladen, bei dem über die Zukunft des Medienkonzerns gesprochen werden sollte. Gerüchte, wonach Deutschlands größtes Geldhaus interessiert sei, wies dieses zurück. "Wir werden uns nicht an dem Bieterwettbewerb beteiligen", sagte ein Sprecher. Ein weiteres Treffen ist laut "FTD" für Donnerstag geplant, zu dem Leo Kirch selbst eingeladen haben soll.

Atempause

Mit einem Verkauf des Springer-Pakets bekäme Kirch eine Atempause, gemeinsam mit dem Erlös aus dem Verkauf der Beteiligung am spanischen Sender Telecinco (als Interessent ist zuletzt der italienische Medienzar, Ministerpräsident Silvio Berlusconi, ins Spiel gekommen) könnte Kirch zumindest in den kommenden Monaten fällige Forderungen begleichen.

Murdoch will aus Premiere raus

Problematisch wird es dann aber wieder ab Herbst. Rupert Murdoch als Kirchs Partner bei dem Verluste schreibenden Bezahlsender Premiere World zerschnitt endgültig das Tischtuch: Er werde seine ab 1. Oktober geltende Ausstiegsoption bei Premiere nutzen, sagte Murdoch am Dienstag (Ortszeit) vor Analysten in New York. Das dafür vereinbarte Geld werde er "mit allen möglichen Mitteln" einfordern. An der Beteiligung sei er definitiv nicht mehr interessiert. Auch die Übernahme der Kontrolle über Premiere schloss Murdoch aus. Er ist über den britischen PayTV-Sender BSkyB mit 22,03 Prozent an Premiere beteiligt.

Über die Motive von Murdoch wird derzeit viel spekuliert. In der Politik wird offenbar befürchtet, dass der nicht gerade als zimperlich bekannte Australier die Probleme bei Kirch zu einem groß angelegten Einstieg in Deutschland nutzt und so wesentlichen Einfluss auf heimische Medien bekommt. Bundeskanzler Schröder sagte daher am Mittwoch auf seiner Lateinamerikareise, wenn es zu einer deutschen Lösung komme, sei dies "umso besser". Man müsse aufpassen, dass keine Lösung blockiert werde, die Arbeitsplätze in Deutschland halte. Insgesamt hat die Kirch-Gruppe rund 9.500 Beschäftigte. (APA/dpa/AP)

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