Von starken Ahninnen des unterrepräsentierten Geschlechts

11. Februar 2002, 14:55
posten

Tiroler Studie untersuchte "Frauenquote" in der "Schwarzmanderkirche"

Innsbruck - Nicht den "Schwarzen Mandern" sondern dem weiblichen Geschlecht hat das Augenmerk einer Untersuchung in der Tiroler "Schwarzmanderkirche" gegolten. Mit der dortigen "Frauenquote" beschäftigte sich Univ.-Prof. Franz Daxecker von der Innsbrucker Augenklinik in seinen historischen Studien. Im Zuge dieser feministischen Themenwahl sei auch bislang kaum Bekanntes zu Tage getreten. So soll Zimburgis von Masovien nicht nur schön, sondern auch "sagenhaft kräftig" gewesen sein. Von ihr wurde berichtet, dass sie Nägel mit der Faust einschlagen und Hufeisen gerade biegen konnte, sagte Daxecker.

Tatkräftige Frau mit Zielen

Zimburgis (geboren zwischen 1394 und 1397, gestorben 1429) ist nur eine der acht Frauengestalten von den insgesamt 28 bronzenen Monumentalfiguren am Grabmal Kaiser Maximilians in der Innsbrucker Hof- oder Schwarzmanderkirche, die dem Kaiser das letzte Geleit geben. Als eine tatkräftige Frau mit Zielen, die sie auch wenn nötig mit List durch zusetzten verstand, galt Elisabeth von Ungarn (1409-1442). Sie stahl hochschwanger die Stefanskrone und ließ ihren neugeborenen Sohn krönen, der dann König von Ungarn und Böhmen wurde.

Die anderen Ahninnen

Während Kunigunde, die Schwester Kaiser Maximilians I., Herzogin von Österreich-Bayern (1465 bis 1520) den Ruf einer Heiligen erlangte, hielt ihre Nichte Margarethe, die Tochter Maximilians, ihren verwitweten Vater ab, Papst zu werden. Margarethe von Österreich (1480 bis 1530) tat offenbar gut daran, denn der damals bettlägerige Papst Julius II. erhob sich wieder von seinem Krankenlager. Margarethe selbst war mit dem 19-jährigen schmächtigen und stillen Prinzen Juan verheiratet, der aber sechs Monate nach der Vermählung starb. Als Grund für sein Hinscheiden wurden die "Anstrengungen der Ehe" vermutet. Nachdem auch ihr zweiter Mann nach drei Jahren starb, lehnte sie neue Heiratspläne ab.

Ihrem Gemahl Philipp dem Schönen völlig verfallen war Johanna I. von Kastilien, genannt "die Wahnsinnige" (1479 bis 1555). Den lebenslustigen Gemahl "plagte" sie - nicht ganz unbegründet - mit Eifersuchtsanwandlungen. Kurz nach der Geburt ihres Sohnes (des späteren Kaiser Karl V.) wurde sie für regierungsunfähig erklärt. Ob Anzeichen einer seelischen Erkrankung oder politische Strategien der Grund dafür waren, sei wegen der widersprüchlichen Quellenlage nicht eindeutig belegbar, führte Daxecker aus. Als dann ihr Gatte starb, zog sie monatelang nachts mit dem Sarg durch Kastilien. Sie, die an Habsburgs Aufstieg zur Weltmacht mitgewirkt hatte, lebte schließlich 35 Jahre bis zu ihrem Tod sehr zurückgezogen in einer Art Kerker.

Die Stamm-Mutter der Habsburger, Elisabeth von Tirol-Görz (1262/63 bis 1313), gebar in ihrer 50-jährigen Ehe 21 Kinder, von denen allerdings zehn noch in jungen Jahren starben. Kinderlos verblieb hingegen die Ehe von Maria Bianca Sforza (1472 bis 1510) mit Maximilian. Die große Liebe des Kaisers hatte seiner ersten Frau Maria von Burgund (1457 bis 1482) gegolten, die seine Leidenschaft für Feste und Jagd teilte. Während seiner zweiten Ehe vergnügte sich der Kaiser mit "standesgemäßen" Freundinnen - seine Frau hingegen fristete ihr Eheleben in bescheidenen Verhältnissen und wurde sogar gepfändet. Sie dürfte schließlich an einer Herzinsuffizienz und nicht am Genuss verdorbener Schnecken gestorben sein.
(APA)

Share if you care.