Hollein der Vulkanologe

11. Februar 2002, 12:48
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Während um das Salzburger "Museum im Berg" des Architekten noch gestritten wird, eröffnet andernorts das "Vulkania"-Museum

Wien/Clermont-Ferrand - Um die Realisierung seines "Museum im Berg" in Salzburg kämpft Hans Hollein seit vielen Jahren. Durch die jüngst vorgestellte Reduktion des Projektes (statt einer Milliarde Schilling soll es nun 650 Millionen kosten) hofft er, der Umsetzung einen Schritt näher gekommen zu sein. Dafür kommt für ein anderes Museum, das der Stararchitekt zu großen Teilen unterirdisch angelegt hat, nach acht Jahren Planungs- und Bauzeit in Kürze der große Tag: Der "Parc européen du volcanisme", kurz "Vulcania" genannt, wird am 20. Februar in der Nähe von Clermont-Ferrand eröffnet.

Foto: APA/AFP/Philippe Desmazes

"Erlebnis des Eindringens in die Erde"

"Die Projekte haben Parallelen, aber auch ganz andere Aspekte", erläutert Hans Hollein, "das Erlebnis des Eindringens in die Erde" sei jedenfalls das Gleiche. Tatsächlich steht am Anfang der Beschäftigung des österreichischen Architekten mit "Vulcania" eine Empfehlung Giscard d'Estaings (der ehemalige französische Staatspräsident und nunmehrige Regionalpräsident der Auvergne)an die örtliche Architektengruppe Atelier 4, mit jenem Planer Kontakt aufzunehmen, der in Salzburg so großes Interesse am Bauen im Fels bewiesen habe. Und was liegt näher, dachte Hollein, als ein Vulkanismus-Museum großteils in den Untergrund zu bauen. 1994 gewann er den Wettbewerb, 1997 wurde mit dem Bau begonnen.

"Ein richtiger Vulkanologe"

"Die Urkräfte der Erde, Vulkanismus und Plattentektonik haben mich schon immer interessiert", meint Hollein, "aber in der Zwischenzeit bin ich ein richtiger Vulkanologe geworden". Der Bauplatz liegt in kargem, Wind und Wetter ausgesetztem Gebiet auf rund 1000 Meter Seehöhe, auf dem Areal eines ehemaligen Munitionsdepots. Ein 57 Hektar großes Gelände, Kilometer entfernt von jeglicher Zivilisation, aber mit herrlichem Rundblick auf jene erloschenen Vulkankegel, die der Gegend ein bizarres, urtümliches Aussehen geben. "Das sind so genannte 'schlafende Vulkane'", erklärt der Architekt, "sie könnten jederzeit wieder ausbrechen."

Der Fantasie nachhelfen

Einen Beweis für die unruhige Vergangenheit liefert auch die Baustelle: "Das Projekt ist direkt in einen Lavastrom hineingebaut." Von einem speziellen Aussichtspunkt können die Besucher einen Blick ins Innere der Erde werfen und sehen, wie sich Basalt- und Aschenschichten abwechseln. Ein bisschen, gesteht Hollein, wird der Fantasie freilich nachgeholfen: "Wir erzeugen Dämpfe, die nach Schwefel riechen, und haben in der Tiefe auch eine künstliche Glut entfacht."

Akustische Erlebnisse mit den Transistorradios der Bauarbeiter getestet

Mittelpunkt und Wahrzeichen von "Vulcania", dessen Er- und Einrichtung rund 250 Millionen Franc (38,1 Mill. Euro/524 Mill. S) kostete, ist jedoch ein großer, eindrucksvoller Konus, ein in der Mitte aufgeschnittener metaphorischer Vulkanschlot, dessen Hälften leicht gegeneinander verschoben sind. Außen aus Vulkangestein, besteht seine Innenfläche aus einem goldschimmernden Metall (eine auf rostfreiem Stahl aufgetragene und durch Anlegen elektrischer Spannung verfärbte Titanschicht), das durch seine vielfältige Reflexion des Lichteinfalls an vulkanisches Feuer erinnern soll. Der Aufenthalt im Konus soll aber nicht nur visuelle, sondern auch akustische Erlebnisse bieten: "Die Transistorradios der Bauarbeiter hörten sich dort jedenfalls eindrucksvoll an", schmunzelt Hollein. (APA)

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