Netanyahu wirft Sharon mangelnde Härte gegen Palästinenser vor

11. Februar 2002, 11:29
14 Postings

Ex-Premier will wieder an die Macht

Jerusalem - Der israelische Ex-Premier und frühere Likud-Chef Benjamin Netanyahu hat dem amtierenden Regierungs- und Parteichef Ariel Sharon vorgeworfen, nicht genügend hart gegen palästinensische Extremisten vorzugehen. "Ich denke, Sharon unternimmt zu wenig", zitierten israelische Zeitungen am Montag Äußerungen Netanyahus im privaten Fernsehen. "Wir dürfen nicht warten, bis Raketen in Tel Aviv einschlagen", fügte er hinzu. Netanyahu kündigte an, dass er bei den nächsten Wahlen im Herbst 2003 für den Posten des Ministerpräsidenten kandidieren werde.

Netanyahu kreidete Sharon außerdem an, unlängst Vertraute des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat, darunter dessen Stellvertreter Mahmud Abbas (Abu Mazen) und Parlamentspräsident Ahmed Korei (Abu Ala), getroffen zu haben, obwohl Arafat dazu aufgerufen habe, "eine Million 'Märtyrer' nach Jerusalem marschieren" zu lassen.

Der Ex-Premier kritisierte, dass die israelische Regierung "drei Köpfe" habe - nämlich Sharon und zwei Vertreter der Arbeiterpartei: den als "Taube" geltenden Außenminister Shimon Peres und den "Falken" Benjamin Ben-Eliezer, Chef der Arbeiterpartei, an der Spitze des Verteidigungsministeriums.

Laut einer von der "Jerusalem Post" am Montag veröffentlichten Meinungsumfrage käme Netanyahu bei innerparteilichen Wahlen zur Investitur des Likud-Spitzenkandidaten auf 46 Prozent der Stimmen, Sharon nur auf 37 Prozent.

Das Likud-Exekutivkomitee hatte sich im Jänner einstimmig gegen die Errichtung eines palästinensischen Staates ausgesprochen. Es reagierte damit auf Äußerungen Sharons, Israel sei grundsätzlich zur Akzeptanz eines palästinensischen Staates bereit. Der Parteibeschluss basiert auf früheren Positionen Sharons, der ursprünglich Jordanien als "wahren palästinensischen Staat" ansah, weil es dort eine palästinensische Mehrheit gibt. Das Westjordanland gehörte bis zur israelischen Eroberung 1967 zu dem Königreich. Der Likud-Beschluss wurde von den Netanyahu-Anhängern unterstützt. (APA)

Share if you care.