Antiamerikanischer Massenprotest im Iran

11. Februar 2002, 10:25
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Hunderttausende demonstrieren in Teheran

Teheran - Hunderttausende Iraner haben am Montag in der Hauptstadt Teheran gegen die USA demonstriert. Die Teilnehmer der staatlich organisierten Protestkundgebung skandierten Slogans wie "Tod den Amerikanern!" und "Tod den Israelis!". Drei der sechs iranischen Fernsehkanäle berichteten live über die Proteste im Land. Präsident Mohammad Khatami wollte im Laufe des Tages zu den Demonstranten sprechen.

Khatami und das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei hatten die Iraner aufgefordert, die Feiern zum 23. Jahrestag der islamischen Revolution und des Sturzes des Schahregimes zu einem Protest gegen die Politik Washingtons gegenüber dem Iran zu machen. Anlass für ihren Aufruf, dem sich weitere ranghohe Würdenträger anschlossen haben, sind Äußerungen von US-Präsident George W. Bush, wonach der Iran Mitgliedern des Terrornetzwerks El Kaida Unterschlupf gewähren und Massenvernichtungswaffen herstellen soll. In seiner Rede zur Lage der Nation hatte Bush gesagt, der Iran bilde mit dem Irak und Nordkorea eine "Achse des Bösen". Im Iran haben diese Anschuldigungen zu einem Wiederaufleben antiamerikanischer Propaganda geführt.

Khamenei hatte vor hohen Armeeoffizieren betont, die Antwort auf eine amerikanische Provokation wäre mit Sicherheit eine "sehr starke". Die Streitkräfte und das ganze Volk müssten in der gegenwärtigen Situation wachsam sein. Jede ausländische Macht, die es auf die "Identität und Ehre der iranischen Nation" abgesehen habe, würde "den Hass des iranischen Volkes auf sich ziehen", warnte Ayatollah Khamenei. An die Adresse der USA gerichtet, sagte er: "Nicht nur das iranische Volk hasst euch, nein, die ganze Welt hasst das arrogante und scheinheilige Unterdrückerregime, das ihr repräsentiert!" Das iranische Volk hasse ein "Regime, das die Fahne der Demokratie, der Freiheit und der Menschenrechte schwenkt, das zugleich das israelische Regime verteidigt und sich in Afghanistan unmenschlich gegenüber Gefangenen verhält". (APA)

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