"Man sieht fünf Ringe überall"

11. Februar 2002, 15:11
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Abfahrtskönig Fritz Strobl im Interview über seinen Triumph, die Gedanken am Start, Konkurrent Stephan Eberharter und den Glanz in den Augen

Haben Sie den Sieg bei Olympia schon realisiert?

Strobl: "Was ich realisiert habe ist, dass ich Kopfweh habe, das Realisieren kommt mit er Zeit. Aber ehrlich: Ich habe das Gefühl, zu gewinnen, schon gekannt. Aber als ich hier abgeschwungen und entdeckt habe, dass ich vorne bin, das war etwas Anderes. Man schaut und sieht diese fünf Ringe überall und dann denkt man auch an frühere Olympiasieger. So wie Franz Klammer, denn der war ja in Kärnten - und nicht nur dort - nicht gerade ein Unbekannter.

War der Gedanke an den Sieg vor dem Start vorhanden?

Strobl: "Nein, denn ich habe es geschafft, mich voll auf das Rennen zu konzentrieren, nicht an Medaillen zu denken. Nur gibt es hier eine Gondel mit dem Namen aller Olympiasieger. Und als ich die gesehen habe, habe ich an Kitzbühel gedacht, wo ich schon eine habe. Und da hab' ich mir gedacht: Da müsstest eigentlich auch draufstehen."

Obwohl sie zuletzt stark in Form waren, lag die Last des Favoriten voll auf Stephan Eberharter. Ein Vorteil?

Strobl: "Ich war schon auch Favorit. Ich wusste auch, dass ich mit ihm mithalten kann, wenn alles gelingt. Aber auch, wenn meine Saison sehr gut war, war sie gegen seine gar nichts. Er hat fünf Mal gesiegt und man braucht sich vor dem Start nichts vormachen: Wenn alles normal läuft, gewinnt er auch hier. Aber dem war nicht so."

Zu Saisonbeginn ist es bei Ihnen nicht so gut gelaufen. Was war der Wendepunkt?

Strobl: "In Val d'Isere war ich Fünfter im Super G, mit einer Sekunde Rückstand. Aber ich wusste, dass ich es auch kann, wenn alles passt. Und in Bormio habe ich dann gesehen, dass der Rhythmus wieder da ist. Denn wir haben sehr gut trainiert, es hat nur gedauert, bis ich es auch im Rennen umsetzen konnnte."

Haben Sie nach Ihrer Fahrt gewusst: Das wars!?

Strobl: "Nein. Aber ich habe gewusst, dass es besser gelaufen ist, als im Training. Denn da hatte ich bei der Einfahrt zum Zielhang immer Fehler. Aber diesmal hab' ich mir kurz vor dem Ziel gedacht: So schlecht war das nicht. Nervös wurde ich erst dann, als ich warten musste."

Die Siegerehrung vor 20.000 Zuschauern war sicher ein besonderes Erlebnis, oder?

Strobl: "Es war beeindruckend. Mir hat es eine richtige Gänsehaut aufgezogen. Und ein bisschen Glanz in den Augen habe ich wohl auch gehabt - aber nur Glanz."(APA)

ABFAHRT DER HERREN:

GOLD: Fritz Strobl (AUT)

SILBER: Lasse Kjus (NOR)

BRONZE: Stephan Eberharter (AUT)

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