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11. Februar 2002, 09:19
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Wo Schnee nicht mehr sein kann und Gras noch nicht sein will, da schlittert Österreich in die kleine Schwester der toten Saison - in die Übergangssaison.

Aus dem Gastronomischen überliefert, nennt man sie auch die "Könnt' ich Ihnen machen"-Saison. ("An sich haben wir derzeit keine Küche, aber einen Toast könnt' ich Ihnen machen.")

Ausflüglerin Melanie N. erzählt uns gerne die Geschichte vom B.-Wirt in der Buckligen Welt. Ihn fragte sie eines Sonntagmittags (am Höhepunkt des familiären Gatsch-Ausflugs) gleich beim Eingang: "Nehmen Sie noch Schillinge?" Der Wirt erwiderte: "Nein." Eventualfrage: "Also nur noch Euro?" Der Wirt: "Nein." Alternativfrage: "Was nehmen Sie dann?" Der Wirt: "Gar nichts, wir haben zu."

Das Rührende an dieser Geschichte: Sie ist noch nicht aus. Denn Melanie war bereit, für ihr Essen (und das ihrer Kinder) zu kämpfen. Sie sagte: "Aber draußen steht, Sie haben geöffnet." - Als hätte der Wirt mit diesem Einwand gerechnet, schmetterte er ihn sogleich zurück: "Das Schild ist alt." Hatte sie jetzt verstanden? Hatte sie nicht. Sie sagte: "Aber hier herinnen sitzen Leute und essen." - Der Wirt erwiderte: "Das ist privat." Hatte sie jetzt verstanden? Ja. Sie zog privat wieder ab.

(DER STANDARD, Printausgabe vom 11.2.2002)

Von
Daniel Glattauer

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