Algerien: Macht der Militärs

10. Februar 2002, 21:13
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von Markus Bernath

Mit der Erschießung des GIA-Führers Antar Zouabri hat Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika den - militärisch - größten Erfolg seiner bisherigen Amtszeit erreicht. Der malträtierten Bevölkerung wird Zouabris Tod Genugtuung sein und auf ein allmähliches Ende des islamistischen Terrors im Land hoffen lassen. Dass es in Wahrheit gar nicht Bouteflikas Erfolg ist, sondern allein der des im Hintergrund regierenden Militärs, ebenso wie die größte politische Leistung des Staatschefs - das Amnestieangebot an die islamistische Guerilla - in Wirklichkeit zuvor von den Generälen ausgehandelt worden war, lässt die Zukunft allerdings weit weniger rosig erscheinen.

In den zehn Jahren seit dem Rücktritt von Staatschef Chadli Bendjedid sind die Algerier vom Regen in die Traufe gekommen: Sturz des Einparteiensystems, Militärregierung, Massaker im Namen eines "Heiligen Kriegs", wirtschaftliche Liberalisierung und Massenarbeitslosigkeit. Heute ist Algerien ein Absurdistan geworden, in dem die ungeheuerlichsten Vorwürfe erhoben werden können, aber keiner zuhören will. Das Land sei unter Führung seiner Generäle vom staatlich dekretierten "Notstand" zum "Belagerungszustand" mutiert, urteilte zuletzt der angesehene Jurist Mohand Issad, der eigentlich nur die Ursachen des Berberaufstands in der Kabylei untersuchen sollte. Gesetze zu achten gehöre noch nicht zur Mentalität der Verantwortlichen im Land, heißt es in seinem Bericht. Allenthalben wird behauptet, das Militär kontrolliere die Schlüsselsektoren der Wirtschaft und habe deshalb Interesse, den Terror im Land am Züngeln zu halten. Belege dafür hat noch niemand geliefert, es wird sie nun auch kaum geben: Seit dem 11. September gehören Algeriens Generäle zur weltweiten Antiterrorkoalition.

(DER STANDARD, Printausgabe,11.2.2002)
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