Filmmuseum in Bedrängnis

10. Februar 2002, 21:06
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Alexander Horwath: Sanierung und Investitionen sind überfällig

Wien - Durch das Foyer des Österreichischen Filmmuseums in der Albertina zieht sich eine lange Warteschlange. Wieder eine ausverkaufte Vorstellung im Rahmen der laufenden Stanley Kubrick-Retrospektive. Einen Stock höher, in den Büroräumen, sind die Verhältnisse ähnlich beengt. Hier sitzt, zwischen Kisten und vollgestellten Regalen, Alexander Horwath, der seit 1. Jänner offiziell amtierende neue Leiter. Er richtet einen "Appell an alle, denen die Arbeit des Österreichischen Filmmuseums am Herzen liegt": Benötigt wird eine rasche, klare Zukunfts-Entscheidung sowie Geld für überfällige Investitionen.

"Gefahr, dass die Sanierungen im aktuellen Museen-Taumel übersehen werden"

"Einerseits kann ich schon nach ein paar Wochen feststellen: Dieses Haus ist sehr lebendig und wird intensiv - auch von neuen Publikumsschichten - wahrgenommen", sagt der Ex-"Viennale"-Direktor, "Andererseits muss ich zugleich einen Hilferuf aussenden, weil das Filmmuseum schon seit längerem Gefahr läuft, dass die anstehenden Sanierungen im aktuellen Museen-Taumel übersehen werden." Geschehe nicht bald etwas, gerate das Filmmuseum in die "geradezu surreale Situation, dass hier ein Milliardenprojekt der Republik Österreich, nämlich die 'Albertina Neu', entsteht und dabei das Filmmuseum als sturmumtoste Insel richtiggehend ausgespart wird, dass nur rund um uns herum saniert wird."

Tägliche Realität von Wassereinbrüchen und Kurzschlüssen

"Angesichts von Wassereinbrüchen oder Kurzschlüssen im Vorführraum spricht Horwath von "nahezu täglichen abenteuerlichen Rettungsaktionen für den Spielbetrieb, ausgelöst durch die unmittelbar angrenzende Albertinabaustelle." Angesichts dieser Baustelle hält es Horwath für unsinnig, längst notwendige technische, räumliche und bauliche Investitionen, die das Filmmuseum aus dem laufenden Budget bisher nie leisten konnte, noch weiter aufzuschieben.

Konkrete Investitionen

Konkret benötigt die Institution eine technische Verbesserung des aus dem Ende der 40er-Jahre stammenden Kinosaales samt neuer Bestuhlung, Investitionen bei Büro, Bibliothek und Elektrik ebenso wie die Umgestaltung des Foyers, die auch durch eine im Hollein-Projekt vorgesehene Verlegung des Eingangs notwendig wird und die einen kleinen Shop und eine ebensolche Bar beinhalten soll.

Köb ist zu beneiden

25 Millionen Schilling (1,82 Mill. Euro) soll der Umbau kosten. "Ich beneide Herrn Köb (den neuen Direktor des Museums Moderner Kunst im Museumsquartier, Anm.) , der etwa die gleiche Summe in die Erneuerung eines nur wenige Monate alten Museumsbaus investieren kann. Bei uns wurde seit 40 Jahren nichts getan und wir stoßen auf viel größere Schwierigkeiten, das Bewusstsein für die nötige Finanzierung zu bekommen", meint Horwath.

Architektonische Intervention: Verlust des Tageslichts

Zu den anstehenden Modernisierungen kommt noch ein weiteres Problem: Die Neugestaltung der Albertina-Fassade durch Hans Hollein sieht eine "sehr begrüßenswerte zeitgenössische architektonische Intervention" (Horwath) - eine sich an die Fassade anschmiegende Welle, die den im Erdgeschoß gelegenen Arbeitsräumen des Filmmuseums allerdings das Tageslicht nehmen wird.

Verlust muss ausgeglichen werden

Horwath: "Diese Räume können wir künftig nicht mehr wie gewohnt nutzen. Ich finde Professor Holleins und Herrn Schröders Projekt sehr spannend. Aber es kann nicht sein, dass unsere ohnehin eingeengte Arbeitssituation dadurch weiter verschlechtert wird. Dieser Verlust an Arbeitsräumen müsste im Ersten Stock ausgeglichen werden." Doch die Albertina, die ebenso wie das Filmmuseum, die Musiksammlung der Nationalbibliothek oder der "Augustinerkeller" Hauptmieter bei der Burghauptmannschaft ist, sei derzeit nur bereit, entsprechende Räumlichkeiten als Präkarium zu überlassen. Gespräche darüber seien im Laufen, meint Horwath, "aber es müsste eine neue Dynamik hineinkommen."

Sorgen um Finanzierung des laufenden Betriebs

Sorgen machen dem Filmmuseum-Leiter aber nicht nur Um- oder Ausbau, sondern auch die Finanzierung des laufenden Betriebs: Je sieben Millionen Schilling (508.710 Euro) benötigt das Filmmuseum als jährliches Grundbudget von Bund und Stadt. Während das Geld der Stadt Wien bereits zugesagt und "in freudiger Verwendung" ist, "gibt es vom Bund, der bisher der Hauptträger des Filmmuseums war, über die letztjährige Entschuldung hinaus leider noch keine Aussage über seinen Anteil am laufenden Betrieb." (APA)

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