Das erfüllte Leben eines "Lieblings"

10. Februar 2002, 20:23
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Elisabeth Mann-Borgese 1918-2002 - Thomas Manns jüngste Tochter starb am Freitag in der Schweiz

St. Moritz - Das letzte noch lebende Kind von Thomas Mann, Elisabeth Mann-Borgese, ist am Freitag im Alter von 83 Jahren bei St. Moritz in der Schweiz an Lungenentzündung gestorben. Ohne studiert zu haben, hatte Elisabeth Mann-Borgese ihr Leben der Erforschung und Erhaltung der Meere gewidmet und zählte zu den Mitgründerinnen des Club of Rome. Ihre Erinnerungen an ihr literarisches Elternhaus bildeten die Grundlage der dreiteiligen TV-Dokumentation "Die Manns", die von der ARD im Vorweihnachtsprogramm 2001 ausgestrahlt wurde.

Das 1918 geborene zweitjüngste Kind war für Thomas Mann die kleine "Medi", "Kindchen" und sein Liebling, wie der Nobelpreisträger einst zugab. Anders als ihre fünf Geschwister Michael, Golo, Monika, Erika und Klaus fand Elisabeth für ihre Kindheit fast nur Worte der Wärme: Sie hat unter der viel beschriebenen Kälte und Egozentrik des Patriarchen nicht gelitten. "Das familiäre Erbe prägte sie, ohne sie zu lähmen", schreibt ihre Biografin Kerstin Holzer.

Die Zeit in den USA empfand sie als "sehr hässlich"

Ihre Jugend verbringt Elisabeth größtenteils im Exil, zunächst in der Schweiz, später in den USA. Die Zeit in den USA jedoch empfand sie als "sehr hässlich". 1939 tröstet sie sich als 20-Jährige mit der Hochzeit mit dem wesentlich älteren Guiseppe Borgese, einem Wissenschafter sizilianischer Herkunft.

Ihre Biografie erzählt von einem erfüllten Leben. Für sie waren die Meere "ein großes Laboratorium, in dem wir eine neue Weltordnung schaffen können". 1972 gründete sie das Ozean-Institut auf Malta, anschließend arbeitete sie an der UN-Seerechtskonvention von 1982 mit. Wahrscheinlich wird die "letzte Mann" nun in Zürich beigesetzt - nahe ihrem Vater. (elce, APA)
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.02. 2002)

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