Weiterhin günstige Anlagezuckerln

10. Februar 2002, 20:00
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Osteuropäische Aktien und Anleihen noch immer attraktive Investments - Mittelfristige Anlage auf zumindest drei Jahre empfohlen

Gerade jetzt kann man mit osteuropäischen Aktien Geld machen, ist Martin Hrdina von der Erste Sparinvest überzeugt. Der nötige Schwung fürs Portfolio komme dabei von der so genannten Konvergenzfantasie, die osteuropäischen Aktien in den nächsten zwei bis drei Jahren Flügel verleihen sollte. So rechnet Hrdina "sogar mit einer Übertreibung". Seinen Optimismus holt sich der Fondsmanager des Danubia-Invest aus der Historie: Beispiele wie Portugal oder Griechenland zeigten, wie sehr die Fantasie vor dem Einzug in die EU den Kapitalmärkten Flügel verleihen konnte. Lukrative Investments sieht der Fondsmanager im Finanzbereich, etwa die ungarische OTP, die estnische Hansabank, aber auch die tschechische Ceská sporitelna. Sehr billig zu haben seien derzeit auch der ungarische Energiekonzern Mol oder die polnische PKN. Jedoch hänge bei diesen beiden einiges vom Konjunkturverlauf ab. Lukrativ seien auch das ungarische Telekomunternehmen Matáv und die Pharmawerte wie Gideon Richter und Egis. In Russland böten sich MTS und Vimpelcom als Kauf an.

Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) rechnet aufgrund der EU-Konvergenz mit Zuwächsen am tschechischen und ungarischen Aktienmarkt. Helge Rechberger von der Aktienmarktanalyse bei der RZB zählt zu den Topempfehlungen in der Region Mol, Matáv, die polnische Bank Pekao, Komercní Banka und Ceská sporitelna.

Die Fondsgesellschaft Baring Asset Management lässt ihre Strategie unverändert und übergewichtet den Bereich Energie, setzt vor allem in die russische Yukos und die Telekommunikation. Am meisten untergewichten die Baring-Experten dagegen Finanzdienstleister, "obwohl wir mit OTP in Ungarn und Pekao in Polen zentrale Übergewichtungen halten".

Eingangsticket

Ein anderes Eingangsticket nach Osteuropa könnte ein Investment in Anleihen sein. "Zentral- und osteuropäische Anleihen sind noch immer eine ertragreiche Veranlagungsalternative", sagt Margarete Strasser, Fondsmanagerin osteuropäischer Anleihen bei der Capitalinvest. Allerdings fügt sie auch hinzu: "Aber es ist schwieriger geworden als im Vorjahr. Andererseits kann man auch nicht jedes Jahr mit Anleihen Renditen um die 20 Prozent erwirtschaften."

Gewinnchancen

Auch Roman Swaton, der den Danubia-Rent für die Erste Sparinvest managt, sieht noch Potenzial bei den osteuropäischen Anleihen. Allerdings rechnet auch er nicht mehr mit 22,5 Prozent Zuwachs wie im vergangenen Jahr. "Zwischen acht und zehn Prozent müssten schon drin sein." Mit seinem Fonds investiert er zu zwei Drittel in Lokalwährungen, darunter den polnischen Zloty, den ungarischen Forint, die tschechische und die slowakische Krone. Ein Drittel falle auf souveräne Emittenten aus der Region, vor allem die baltischen Länder, Rumänien und Bulgarien.

Walter Demel, Anleihenexperte in der RZB, rechnet nach dem guten Verlauf der vergangenen Monate mit "einer gewissen Verschnaufpause bis März". Kurzfristig erwartet er sich die beste Performance von den fünfjährigen polnischen Anleihen, das hängt mit der schwachen Währung zusammen. Auch von den slowakischen Anleihen, die diese Woche emittiert werden, erhofft sich die RZB einiges.

Bis Jahresende gibt Demel den ungarischen Lokalwährungsanleihen die besten Karten, die "im mittleren bis langen Laufzeitsegment" Renditechancen zwischen sieben und acht Prozent böten. (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 11.2.2002)

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