Post-Chefs vor den Kadi

12. Februar 2002, 22:01
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Gewerkschaft wirft Postvorstand schwere wirtschaftliche Fehler vor

Wien - "Der Betrieb entwickelt sich in eine Richtung, die wir nicht wollen." So brachte der Tiroler Postgewerkschaftschef Erwin Zangerl das Kreuz der Postgewerkschaft mit dem Kurs des Vierervorstands unter Generaldirektor Anton Wais auf den Punkt. Es entstünden nur Kosten, weil mit der Neuordnung der Geschäftsfelder sämtliche Syn- ergien verloren gingen.

Lamentieren allein ist aber nicht Sache der kampfeslustigen Postler, sie haben am Dienstag - in seltener Eintracht aller Fraktionen - beschlossen, rechtliche Mittel gegen ihre Chefs einzuleiten. Zwar stehen nur wenige und vor allem praktisch keine tatsächlich wirkungsvollen Mittel zur Verfügung, aber fürs Erste tut es ein "Einspruch gegen die Wirtschaftsführung" bei der staatlichen Wirtschaftskommission. Ein solcher soll heute, Mittwoch, eingebracht werden.

Verhindern lässt sich mittels Arbeitsverfassungsgesetz de facto zwar nichts, immerhin erreichen die Betriebsräte aber, dass sich Vertreter aus Verkehrs-, Finanz-, Wirtschafts-, Arbeitsministerium, Bundeskanzleramt, Wirtschafts- und Arbeiterkammer sowie der Gemeinde Wien mit den Zuständen in der Post auseinander setzen.

Beschlußtermin

Der Grund für die Auseinandersetzung ist die vom Aufsichtsrat - gegen die Stimmen der Belegschaftsvertretung - beschlossene Neuorganisation der Post in die fünf Geschäftsfeldorganisationen Brief, Schalter, Kurier-Express-Paket, Medienpost und Infomail (Der Standard berichtete). Hier spießt es sich bereits, denn die Frage ist, wann der Aufsichtsrat diese Neustrukturierung denn tatsächlich beschlossen hat.

Laut Kapitalvertretern ist dies bereits am 7. August 2001 erfolgt, wobei sich die Gewerkschafter damals unter Hinweis auf die negativen Auswirkungen für das Personal der Stimme enthalten hatten. Post-Betriebsratschef Gerhard Fritz allerdings meint, unter dem "Grundsatz der Prozessgeschlossenheit" wurde die Neuordnung erst am Montag finalisiert, denn da wurden auch die entsprechenden Zuständigkeiten im Vorstand fixiert.

Also muss die Kommission klären, ob die dreitägige Einspruchsfrist (ab Kenntnisnahme) beim Betriebsinhaber überhaupt noch gilt. (ung, hs, Der Standard, Printausgabe, 13.02.02)

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