Heftige Kontroverse um "Schnaps für den Papa"

10. Februar 2002, 21:00
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Salzburg: Kids bekamen ohne weiteres harte Getränke

Salzburg - Verkauf und Ausschank von Alkohol an Jugendliche wird in Salzburg zum Streitthema zwischen Wirtschaftskammer und SP. Während SP-Jugendsprecher Landtagsabgeordner David Brenner nach groß angelegten Testkäufen dazu übergeht, Geschäfte, die zum zweiten Mal Alkohol an Jugendliche abgeben, systematisch anzuzeigen, wehrt sich die Wirtschaftskammer gegen solche Aktionen. Diese würden "hart am Leger" vorbeischrammen, wie es WK-Sprecher Kurt Oberholzer formuliert.

Anlass für die Tests waren Schlagzeilen in lokalen Medien, die wiederholt von "Ballermann"-Exzessen berichteten, nach denen Minderjährige an der Grenze zur Bewusstlosigkeit ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Eine der Ursachen ist laut Brenner, dass es für Jugendliche trotz Jugendschutzgesetzes kein Problem sei, an Bier, Wein und sogar an Hochprozentiges zu kommen.

Bei ersten Testkäufen im November 2000 bekamen von Brenner engagierte Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren in neun von zehn Geschäften problemlos Alkohol. Brenner informierte die Firmen von den Ergebnissen und wies sie auf die Jugendschutzbestimmungen hin, die den Verkauf von Alkohol an unter 16-Jährige untersagen. Der Verkauf von Spirituosen ist erst an Personen über 18 Jahren erlaubt. Auch die Wirtschaftskammer informierte damals ihre Mitglieder.

Gefruchtet hat das Ganze wenig: Bei einer zweiten Runde im Jänner dieses Jahres wurde bei 59 Stichproben den Jugendlichen in 47 Fällen Alkohol verkauft. "Sogar 13-Jährige erhielten Wodka oder Rum", berichtet Brenner. 38 Einzelgeschäfte, Supermarktfilialen oder Tankstellen entpuppten sich als Wiederholungstäter. Diese will Brenner nun bei den Bezirksbehörden anzeigen. Neben einer Verwaltungsstrafe von bis zu 3633 Euro (50.000 Schilling) droht im Wiederholungsfall sogar der Konzessionsentzug.

Erfindungsreichtum

Die Wirtschaftskammer zieht aufgrund der harten Haltung des SP-Jugendsprechers nun die gesamten Testkäufe in Zweifel. Diese seien von der Methode her "bedenklich", da die von der SP geschickten jugendlichen Käufer "Beratung für ein Geschenk begehrt" hätten. Brenner bleibt unbeeindruckt: Der Erfindungsreichtum von Jugendlichen beim Kauf von harten Alkoholika - "Schnaps für den Papa", "Rum zum Keksebacken für die Mama" - sei durchaus "realitätsnahe" nachgestellt worden. Er kündigt weitere Testkäufe und bei Vergehen gegen den Jugendschutz auch weitere Anzeigen an. (neu, DER STANDARD, Printausgabe,11.2.2002)

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