Khatami warnt vor Weltkrieg

11. Februar 2002, 11:22
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Am 23. Jahrestag der islamischen Revolution übt der iranische Präsident harte Kritik an den USA

Teheran - Der iranische Präsident Mohammed Khatami hat am Sonntag davor gewarnt, dass die Politik der USA zu einem unvorhersehbaren Weltkrieg führen könnte. Dies sagte Khatami in Teheran während eines Empfangs für ausländische Gesandte aus Anlass des 23. Jahrestages der islamischen Revolution (1979). Die Welt in Freunde oder Feinde zu teilen, könnte zu einem Weltkrieg mit unvorhersehbaren Konsequenzen führen, meinte Khatami. Er bezog sich dabei auf die politische Maxime von US-Präsident George W. Bush, entweder auf der Seite der USA oder der der Terroristen zu stehen, was der Iran mehrfach als "kriegshetzerisch und undemokratisch" zurückgewiesen hatte.

Khatami sagte, er habe große Achtung vor der amerikanischen Nation. Doch die gegenwärtige US-Politik scheine im Gegensatz zu den humanitären Idealen des Landes zu stehen und würde die USA darüber hinaus verwundbar machen. Der Präsident wiederholte, dass der Iran die Palästinenser unterstütze und verurteilte zugleich die amerikanische Unterstützung Israels. Er rief Washington dazu auf, nicht seine nationalen Interessen um der terroristischen Aggressoren willen zu opfern. "Lassen Sie uns an einer Allianz für den Frieden arbeiten...", sagte Khatami. Für dieses Ziel kämpfe der Iran seit 1997 mittels einer Entspannungspolitik und einem vertrauensbildenden Dialog unter den Kulturen.

Zuvor hatte die iranische Führung die Bevölkerung zu einer Massendemonstration gegen die USA an diesem Montag aufgerufen. Die Feiern zum 23. Jahrestag der islamischen Revolution sollten zu einem Protest gegen die Politik Washingtons gegenüber dem Iran gemacht werden, forderten gemeinsam Staatspräsident Khatami und das geistige Oberhaupt des Landes, Ayatollah Ali Khamenei, nach Meldungen des Nachrichtensenders Khabar vom Sonntag.

Aufruf wegen Bush-Äußerungen

Anlass für ihren Aufruf, dem sich weitere hochrangige Würdenträger anschlossen, sind Äußerungen von US-Präsident Bush, wonach der Iran Mitgliedern des Terrornetzwerks El Kaida Unterschlupf gewähren und Massenvernichtungswaffen herstellen soll. Im Iran haben diese Anschuldigungen zu einem Wiederaufleben anti-amerikanischer Propaganda geführt. So rief der frühere Staatspräsident Ali Akbar Hashemi Rafsandjani seine Landsleute auf, interne Meinungsverschiedenheiten zu beenden und sich auf den Hauptfeind USA zu konzentrieren.

Die iranische Marine verstärkte laut einem Radiobericht ihre Patrouillen im Golf. Die Armee kontrolliere die Bewegung aller Schiffe und U-Boote in den Gewässern, zitierte das Radio Marinechef Abbas Mohtaj. Ein hochrangiger Armeesprecher warnte, im Falle eines US-Angriffs werde das Land der internationalen Gemeinschaft den Ölhahn abdrehen. Der iranische Vize-Außenminister Mohammed Jawad Sarif dementierte erneut US-Berichte, wonach sich auf iranischem Gebiet El-Kaida-Kämpfer versteckt hielten. Es seien auch keine Taliban in den Iran geflohen, sagte der Minister dem US-Sender Fox.

Der Iran feiert an diesem Montag den 23. Jahrestag der Revolution von 1979, durch die das Land zu einem islamischen Gottesstaat umgestaltet wurde. Zwei Jahrzehnte lang war das Verhältnis zu den USA äußerst schlecht. In der jüngsten Vergangenheit hatten Reformkräfte innerhalb der iranischen Regierung jedoch versucht, das Verhältnis zwischen den beiden Staaten zu verbessern. (APA/dpa)

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