Geklonte Tiere sterben früher

10. Februar 2002, 20:00
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Möglicher Grund: Alle bisherigen Klone sind gar nicht echt

Cambridge/Wien - Säugetiere, die aus Zellen ausgewachsener Tiere geklont sind, leben kürzer als natürlich gezeugte Tiere. Das kann an den verwendeten Zellen liegen oder am Klonverfahren - oder daran, dass alle bisherigen Klone aus ausgewachsenen Tieren überhaupt keine Klone von ausgewachsenen Tiere sind.

Beim Klonen gibt es enorme Ausfallraten, weit über 90 Prozent kommen erst gar nicht zur Welt, und die Überlebenden haben oft Entwicklungsstörungen, Fettleibigkeit etwa, zu der auch die Ahnfrau aller Klone, das Schaf "Dolly" neigt. Nun haben japanische Forscher eine generell geringere Lebensdauer gefunden: Geklonte Versuchsmäuse starben sehr viel früher als gezeugte Mäuse, vor allem an Leberschäden, Lungenentzündung, Tumoren und geschwächtem Immunsystem.

Sie starben auch früher als Mäuse einer Kontrollgruppe, in der das natürlich befruchtete Ei demselben Stress wie beim Klonverfahren ausgesetzt wurde. Das deutet darauf hin, dass die Ursache von Störungen und frühem Tod nicht im Verfahren liegt, sondern in den verwendeten Zellen.

Nicht berücksichtigt

Das könnte am Zelltyp liegen - Zellen aus dem Euter etwa könnten besser geeignet sein als Zellen aus der Haut - oder am Differenzierungsgrad der Zellen. Dieser wurde bisher nicht berücksichtigt, man unterstellte einfach, dass Zellen ausgewachsener Tiere auch ausgewachsene Zellen sind: "In keinem bisherigen Klonexperiment wurde einwandfrei nachgewiesen, dass die Spenderzelle wirklich ausgereift war", erklärt Konrad Hochedlinger, österreichischer Molekularbiologe in der Gruppe von Rudolf Jaenisch am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, dem STANDARD: "Wir haben jetzt zum ersten Mal gezeigt - an Mäusen -, dass ein Klon aus einer völlig ausgereiften Zelle entstehen kann."

Bei allen früheren Experimenten könnte man statt ausgereiften Zellen zufällig weniger ausgereifte Stammzellen verwendet haben, die es überall im Körper auch gibt. Zwar sind sie selten, aber etwa genauso selten wie die Erfolge beim Klonen. Waren es aber Stammzellen, haben sie sich vermutlich beim Klonen auch nicht verjüngt ("genetisch reprogrammiert"), wie man das annahm. Das könnte die Entwicklungsstörungen und Todesfälle verursacht haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10. 2. 2002)

Von Jürgen Langenbach

"Nature Genetics"

"Nature"
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