ÖGB mahnt zum Kampf gegen die Arbeitslosigkeit

11. Februar 2002, 10:42
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Präsident Verzetnitsch fordert von der Regierung effiziente Maßnahmen

Wien - ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch mahnte am Sonntag in der "Pressestunde" die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ein. Als Maßnahmen nannte er die Stärkung der Kaufkraft, erhöhte Ausgaben für Aus- und Weiterbildung und Infrastrukturinvestitionen. Auch die 35-Stunden-Woche könne eine der Maßnahmen sein - der ÖGB werde jedenfalls weiter für sie eintreten, sagte Verzetnitsch, ebenso für die Erreichung der Vollbeschäftigung.

"Die Schlagzeile Generalstreik biete ich Ihnen nicht", erteilte Verzetnitsch allen Rufen nach einer härteren Gangart zur Umsetzung der Forderungen der ÖGB-Urabstimmung eine klare Absage. Der letzte Punkt des Textes, den immerhin rund 807.000 Gewerkschaftsmitglieder (56 Prozent) unterstützt haben, sieht den Streik vor, sollten die Forderungen der Gewerkschaft nicht erfüllt werden. Verzetnitsch sprach dagegen lieber von "Kampfmaßnahmen", die es geben soll, "wenn es notwendig wird". Bisher sei er mit der Umsetzung der Urabstimmungsforderungen zufrieden, setzte der ÖGB-Chef hinzu. Auch intern habe die Urabstimmung einen Beitrag geleistet, die Gewerkschaftsbewegung zu stärken.

Mit dem Mitgliederschwund im ÖGB sei er "nicht zufrieden", so Verzetnitsch. Den Mitgliedern müsse klar gemacht werden, dass Lohnerhöhungen nur durch starke Gewerkschaften zu erreichen seien - das bedinge auch viele Mitglieder.

Regierung säumig

Der Regierung warf Verzetnitsch Säumigkeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vor. Flexible Arbeitszeiten seien für den ÖGB vorstellbar, sie dürften aber nicht zugunsten der Arbeitgeber gehen. Vom Vorstoß von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein in Richtung Ausdehnung der Tagesarbeitszeit hält Verzetnitsch nichts: "Es kann nicht sein, dass man Menschen über zwölf Stunden verfügbar machen möchte, weil man sich so Überstundenzuschläge erspart."

Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen führte er auf die schlechten Gehälter in Gesundheitsberufen, im Handel und im Dienstleistungsbereich zurück. Hier sei eine Neubewertung der Arbeit und der Einkommen vorzunehmen.

Lob und Tadel bekam Verzetnitsch vom stellvertretenden Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Reinhold Mitterlehner. Es sei "erfreulich", dass Verzetnitsch sich nicht zu Aussagen über einen Generalstreik habe hinreißen lassen. Keine Zustimmung finde der Arbeitnehmerbegriff des ÖGB. Die Zeit der weisungsabhängigen Vollzeitarbeitsplätze sei vorbei, so Mitterlehner. (APA, kob, DER STANDARD,Printausgabe,11.2.2002)

Reaktionen:
auf die Forderungen des ÖGB

Beim STANDARD- Montagsgespräch steht die "Situation am Arbeitsmarkt" auf dem Programm (Haus der Musik, Seilerstätte 30, 19.30 Uhr).

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