Kirch-Gruppe möchte Zerschlagung abwenden

10. Februar 2002, 23:42
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Geschäftsführer Dieter Hahn räumt kommende Liquiditätsprobleme ein

München - Die hochverschuldete Kirch-Gruppe hofft, dass eine Zerschlagung des Unternehmens verhindert werden kann. Geschäftsführer Dieter Hahn äußerte sich trotz der angespannten Lage gegenüber der "Welt am Sonntag" optimistisch und sagte, die Kirch- Gruppe müsse als vollintegriertes audio-visuelles Medienunternehmen zusammengehalten werden. Eine Zerschlagung dieser Zukunftsindustrie - einer der wenigen mit "starken deutschen Playern" - zu Gunsten "von Ausländern oder Banken" wäre "irrational", sagte Hahn.

"Strukturelles Problem"

Allerdings räumte er ein "strukturelles Problem" mit der Option Rupert Murdochs zum Verkauf seiner Anteile von 22 Prozent an Premiere World für 1,7 Mrd. Euro ein, die im Oktober fällig wird. Dies bedrohe die Kapitalstruktur der Unternehmensgruppe: "Perspektivisch können wir im Laufe des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen", sagte Hahn der Zeitung.

Die Kernaufgabe seit Monaten sei, die Kapitalstruktur des defizitären Bezahlfernsehens Premiere World zu verbessern: "Das Thema müssen wir lösen." Murdoch hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Option auch ausüben zu wollen. Die Verhandlungen der Kirch-Gruppe mit allen Banken - "bis auf eine, die eigene Interessen verfolgt" - liefen gut, ergänzte Hahn.

Auswirkungen

Die Turbulenzen der Kirch-Gruppe bedrohen auch den krisengeschüttelten Medienkonzern EM.TV. "Der größte und gefährlichste Aspekt ist unsere Formel 1- Beteiligung von 16,7 Prozent", sagte Vorstandschef und Großaktionär Werner Klatten der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Da die Anteile als Sicherheit für Kirch-Kredite verpfändet seien, wären sie im Falle seiner Zahlungsunfähigkeit Kirchs "vermutlich wertlos", sagte Klatten.

"Ich kann daher in Wirklichkeit nur an Kirch verkaufen. Deswegen müssen wir seinen Bewegungsspielraum nützen, um das Geschäft möglichst schnell über die Bühne zu bringen", zitiert die Zeitung den EM.TV-Chef. Der Verkauf dränge nicht nur wegen der Schieflage bei Kirch, sondern auch, weil die Autohersteller angekündigt haben, ab 2008 einen eigene Rennserie in Konkurrenz zur Formel 1 zu starten. (APA/dpa/lby)

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